Mit leerem Magen kämpft´s sich schlecht. Hungerquartier Erfstadt.
Äähh! Husarenquartier, so heisst das Restaurant. Ich komme immer noch nicht ganz darüber hinweg. Wegen des Hungers. Dazu später mehr. Gut, dass wir mal ordentlich zu mittag gegessen haben. Da gab es schon mal eine wunderbare Suppe. Karotte, Ingwer und getrocknete Aprikosen. Superkombination. Die Karotten als Süssbringer, der Ingwer als Schärfer und die Aprikosen zwar auch süss, allerdings mit einer guten Säure. Richtig gute Sache. Und weisse Bohnen mit Tunfisch als lauwarmer Salat zum Wein. Vorglühen nennt man das wohl.
Und am Abend ins Husarenquartier nach Erfstadt. Hochgelobt. Ein Stern. 17 Punkte im Gault Millau. Also: Perfekte Aussichten. Kein Karneval, der blieb einfach mal draussen. Und ein richtig gut eingerichtetes Restaurant. Top Modern. Alles sehr reduziert gehalten, ab und zu mal mit architektonischen Ausrufezeichen. Sehr angenehm. Gute Musik. Herzlich willkommen, sagte ich zu mir. Das kann mir gefallen.
Und die Karte liest sich ja wirklich gut und ich dachte mir, das wird gut, das wird ein klinarisch schön er Abend. Wir waren zu viert mit zwei Vegetariern, die ein viergängiges Menu assen. Okay, ihr könnt Euch vorstellen, das ist nicht so ganz mein Ding, ich wollte alles. Fleisch. Ja! Meerestier. Ja! Gemüse. Auch! Kohlehydrate. Okay, wenn es sein muss.
Die Amusements versprachen viel. Schön, das Amuse Bouche. Wunderbar, die Ouvertüre. So kann es weiter gehen. Pancetta-Hörnchen mit pochiertem Wachtelei. Kleiner Hamburger mit confierter Tomate. Eine Brandade – normalerweise mit Stockfisch, hier mit Kabeljau – und Kalbfleischbällchen.
und weiter ging es. Ein Carbiniero auf dem Teller. Stolz und klein. Ein wenig Mayonnaise dazu. Eine Spur Blumenkohl – bereit zum Inhalieren, hey, wo sin wir denn hier gelandet? – und ganz schön viel Brunnenkresse und Sprossen. Unangemacht! Keine Dressing. Scharf und irgendwie unpassend. Und dass die Garnele gut gebraten war, okay, aber davon kann man ausgehen. Der Tunfisch mal gebraten und roh, dazu ein Onsenei. Lang pochiert, nach guter japanischer Art. Mit ganz schön viel Kresse!
Und die Gänseleber mit einem Gelee obenauf. Alees wunderbar vom Geschmack und schwupps, ein Happen und alles war weg. Dazu wieder mal die Kresse mit den Sprossen. Und seht ihr diese Spuren auf dem Teller? Vielleicht soll das mal Sosse geben?
Und wieder ging die Kresse zurück.
Die Taube mit den Tüffeln mit dem Blumenkohl. Als Pürèe, als Gelée und wieder roh zum Einatmen. Vielleicht hätte ich das tun sollen, da hätte ich mehr davon gehabt. Alles wunderschön zum Anschauen. Aber! Leute! Lieber Küchenchef! Die Soldaten, die Husaren hätten Euch eine Kopf kürzer gemacht. Denn das weiss doch jeder: Mit Nix im Magen lässt es sich nicht kämpfen.
Das Vordessert luftig leicht¡ Granatäpfel mit Schaum von Kakaobohne. Mensch, bitte, bitte, ich will was Handfestes.
Und luftig ging es weiter. Alles mit einem Biss zu essen, zu trinken. Pina Colada in verschiedenen Formen. Wieder nichts zum Sattmachen. Eine Hoffnung blieb, vielleicht gab es doch noch Rettung: Mit Kuchen, Trüffeln oder Schokolade.
Entäuschung! Wieder nur Gourmetpetting. Immer nur Vorspiel und zur Sache kommt man nicht. Eigentlich schade.
Ja, und was ist mein Resumée? Eine wahrlich qualitativ hervoragende Küche. Volle 17 Punkte wert und sehr schön anzuschauen¡ Nur mit einem Manko. Die Mengen. Und die müssen stimmen!
















Am 12. März 2010 um 11:29 Uhr
Schade ! So ein Essen bekommt man in Heidelberg und Schriesheim leider nicht .
Die volle Anerkenung an diesen Koch und Künstler ,der darf sich mit Recht Koch nennen.
Danke für die Empfehlung !
Gruss,
Uwe
Hallo Uwe, das ist fast wahr, dass man das hier nicht bekommt … in Mannheim schon! Aber nicht dass etwas falsch verstanden wird. Alles war hier hervorragend zubereitet. Da hat fast alles gestimmt – mal von der Kresse abgesehen. Nur die Menge war es, die hier negativ zu Buche schlägt. ! 1 Garnele – auch wenn es ein Carabiniero war! Es kann nicht sein, dass wir fast hungrig vom Tisch aufstehen. Und sich mit Kohlehydrate den Bauch vollschlagen, das will ich nicht. Dam Ganzen kann man ein positives abgewinnen: Es rettet die Garnelen, es gibt keine Überfischung, wir brauchen keine Aquaparks und die pharmazeutische Industrie erleidet auch einen Umsatzrückgang …
Kulinarische Grüsse
Am 22. März 2010 um 15:26 Uhr
Mein Tipp !
Das Restaurant Bruderholz in Basel !
Wie .Wo.Was.Warum .
Gruss,Uwe