Samstag / Laufen / Kirschen / A Mesa. Genau in dieser Reihenfolge.

Es war wieder mal so ein Samstag, den jeder kennt. Vollgepackt mit Sachen, die zu erledigen sind. Die bekannten to-do-Listen. Das ist für die Hausbesitzer das Mähen des Rasens, vielleicht sind auch noch einige Blumenbeete zu harken, und die, die Kinder haben,  gehen gemeinsam auf den Spielplatz. Von der samstäglichen Waschorgie, da will ich mal gar nicht sprechen. Auf jeden Fall und das gilt für alle, das obligatorische Einkaufen von Wasser. Das muss auf jeden Fall her.

Alle diejenigen, die zum Einkaufen auf den Markt gehen, die haben ja Glück, können sich inspirieren lassen. Da einzukaufen, das ist ja im Moment ein wirkliches Vergnügen, es gibt ja nahezu alles. Und wenn man ein paar Jahre zurückschaut, da stellt man schnell fest: Das Angebot hat sich wirklich rasant vergrössert. Waren vor Jahren Zitronenthymian, Rauke, violettes Basilikum oder Zitronengras wahre Fremdkräuter, ist das heute schon normal. Also: Wir haben Glück mit der Globalisierung und freuen uns darüber, mal über den Petersilien -und Schnittlauchrand hinauszuschauen. Das macht doch Spass bei den Ständen zu schauen, da kannst du mal richtig die kulinarische Sau raus lassen.

Aber zurück zu den Hausmännerpflichten.  Das Wasser war da, Rasen brauche ich keinen zu mähen, einkaufen wollte ich heute auch nicht – wir wollten fort. Irgendwo hin, wo es gut schmeckt. Vorher musste ich allerdings noch meine neuen Bergschuhe einlaufen, wenigstens mal ein oder zwei Stunden, um nicht von lästigen Blasen überrascht zu werden. Ja, wir gehen bergwandern, an den Wilden Kaiser, wohnen in einer Hütte, wollen mal so richtig laufen, von Gipfel zu Gipfel, vielleicht auch von  Jause zu Jause. Das habe ich mir schon lange gewünscht und jetzt ergibt sich die Gelegenheit. Okay, einmal werden wir im Petit Tirolia essen, bei Bobby Bräuer, einem Witzigmann Schüler – ja, die sind es immer noch auf der kulinarischen Bühne. Nicht nur die, die aus der Ferrán Adrià Richtung kommen. Na, mal sehen, was der so drauf hat.

Hey, nicht abschweifen. Also die Bergschuhe an und raus in Richtung Weinheim, an Obstgärten vorbei, wir sehen die ersten schwarzen und roten Johannisbeeren. Vollreife Kirschen von hellrot bis tiefschwarz, auch Nüsse nehmen schon Formen an und die Pflaumen sind schon zu erkennen. Einfach wunderbar, was die Natur so hervorbringt.

Und irgenwann kommt die Frage auf: Sollen oder sollen wir nicht? Nicht was ihr denkt. Viel einfacher. Können wir denn mal von Nachbars Kirschen naschen? Wir fragen uns: Werden die überhaupt abgemacht? Werden die geerntet? Irgendwie schade, wenn dies schönen Kirschen kaputt gehen würden. Überwindung. Ein bissel komme ich mir schon komisch vor. Schlechtes Gewissen? Ja. Wir verlassen eher schüchtern den Weg, schauen uns noch ein paar Mal um und stellen fest: Keiner da. Niemand sieht uns. Und es ist wie früher. Das war es uns doch auch egal, auf welchen Bäumen wir saßen, wem die gehörten. Hauptsache die Kirschen haben geschmeckt. Und das gleiche Gefühl kam wieder auf. Das schlechte Gewissen, das von dem überwätigenden Geschmack gleich wieder weggeräut wurde. Und ich sage Euch: Es schmeckte grandios. Rein die Dinger, Augen zu und raus mit dem Stein. Ein wohliges Déjà Vue.

Und so beim Laufen sprachen wir über die Möglichkeiten, wo wir heute abend hingehen könnten. Restaurants rauf und runter, viel oder wenig fahren? grob oder fein? Teuer und weniger teuer? Und wir stellten wieder mal fest – gar nicht so einfach das Ganze, so unendliche Auswahl gibt es dann doch nicht. Schön war, dass an diesem Abend wieder mal ein Fussballspiel war und dass es bestimmt keine Schwierigkeit war, einen Tisch zu bekommen.

Und wir entschieden uns für das A Mesa. Da waren wir schon lange nicht mehr und hier wussten wir, dass wir gut umsorgt werden. Kerstin Hellmich, Esther Schmidt und Karin Wloka sind ja wunderbare Gastgeberinnen. Immer da, auf das Wohl der Gäste bedacht. Und bitte liebe Küchencrew, ihr seid auch wichtig, seid sicher, ihr bekommt noch Euren Auftritt.

Aber erstmal der Wein. Wir folgten der Empfehlung. Und das war gut so: 2010 Castillo de Maetierra, Libalis Rosé, Rosado de Lagrimá – Rioja. Und was ich im Cellartracker über diesen Wein fand. Ich könnte es nicht besser beschreiben.

// Wonderful to be greeted by a glass of cold Rosé on a hot day. This was pretty good as well – plenty of character to go with its refreshing freshness. Colour was an orangey red – reflecting a blend of free-run juice from Moscatel de Grano Menudo (Muscat de Petit Grains I think?) and Granacha Tinto. Nose opened up really nutty, almost caramelly at points, but fleshed out quickly to show plenty of cranberries and cherries with some earthy spice. Lots of acidity on the palate, so fresh that it almost seemed a little tart when served cold. Much better when warmed up slightly, showing fresh cherries, cranberries, more earth and, moving into the suprisingly dry finish, ferrous mineral and plenty of prickly spice. Not the most complex, but a well-built wine – I liked this. //

Wein

Und los los los ging es. Anpfiff! Die Interpretation von Vitello Tonnato, diesmal mit Stopfleberschaum, gehackten Tunfisch, Blumenkohl, gelierten Kalbsfond und geröstetem Schwarzbrot. Klar doch, die Kaper fehlte nicht, einfach ersetzt durch eine karamelisierte Pistazie –  Alles schön rund – keine Angst, ich will hier nicht alles mit Fussball in Verbindung bringen. Was ist sagen wollte: Alles wunderbar aufeinander abgestimmt, die Zartheit des Schaums, der Blumenkohl, den man fast als Störenfried empfinden könnte. Aber nein, er fügte sich in die Komposition hervorragend ein. Dazu die Kalbsjus, kräftig im Geschmack. Und langsam wurde das Vitello Tonnato sichtbar, schmeckbar, ganz weit hinten am Horizont, ja, so soll es sein, die Interpretationen.

Amuse

Spährische aussehende Grissini. Ein schmackhafter Hauch von Nichts, der kleine Kohlehydratbegleiter, neben drei drei verschieden Sorten Brot und der gesalzenen Butter.

Grissini

Die Stopfleber einmal als Eis, schmotzig zart, mal gebraten – okay, vakumiert und abgeflämmt – und dann als Block, mit hauchdünnem Karamel, grüner Apfel als Unterlage und Apfel-Sellerie-Salat mit Walnuss, noch ein wenig Selleriemousse dazu. Hm, gerade läuft mir das Wasser im Mund zusammen. Repeat please!

Stopfleber

Das Steak Tartar mit Roter Bete, Wasabieis, krosses Brot mit pochiertem Wachtelei. Nochmal bitte!

Tatar

Und das Mannheimer Allerlei. Spargel, Karotten und Pfifferlinge – sorry Frühjahrsmorchel, du wurdest ersetzt. Dazu die dicken Garnelen und eine Krustentiersauce – nochmals sorry, diesmal in Richtung Küche! Eigentlich sollte die Sauce angegossen werden. Nein danke sagte ich, lassen Sie doch die Saucière da, gerne übernehme ich das selbst. Hintergedanken, nichts geht in die Küche zurück! Die war so gut, da habe ich einfach die Saucière ausgelöffelt.

Allerlei

Der Pulpo mit Jakobsmuschel, Paprika dazu, eine kräftige Paprika-Kalbsjus. Super.

Pulpo

Der Boeuf Bourgignon. Die etwas feinere Variante. Hier mit Bäckchen und Filet, Perlzwiebeln, Salatherzen und Pilzen. Prächtig.

Boeuf

Das Quarksoufflée mit Rhabarber und Riesling. Ein wunderbare Balance zwischen Süsse und Säure, Wärme und Kühle, Samtheit und krachiger Oberfläche und bitte liebe Küchencrew – euer Soufflée stand wie eine Eins. Nur bis ich mit dem Fotografieren so weit war, hat das vergängliche Etwas schon eine etwas andere Form angenommen. Da war ich nicht ganz so schnell. Und es schmeckte phantastisch. Ebenso die Charlotte Russe, die habe ich leider fotografisch verpasst. Jo, kann ja mal passieren.

Soufflee

Den Kaffee und die Petite Fours zum Schluss. Ein wahrlich vergnüglicher und amüsanter Abend. Und wenn wir um 22.00 Uhr noch besseres Licht gehabt hätten, wären auch die Hauptgänge fotografisch besser zur Geltung gekommen. Aber das ist ja nur Nebensache.

Ja, liebe A Mesa Crew, so richtig richtig gut war es, zum Wohlfühlen. Einfach zum Wiederkommen. Applaus an alle!

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