CareTrip – Gut reisen  /  Besser ankommen

Geht da etwa ein neues Licht über Dortmund auf?

Da regt sich doch was in Dortmund. Oder besser gesagt, es hat sich schon geregt. Am 06.04. hat David Kikillus das Restaurant KIKILLUS in seiner Heimatstadt Dortmund eröffnet. Wir hatten die Ehre schon vor dem offiziellen Sektkorkenknall vom Küchenchef persönlich zu einem Essen eingeladen zu werden.

Und weil mein Fresserkollege Harald das Thema Bezahlen,  ja auch gerade zu Recht angeschnitten hat:
Nein wir haben dafür nix bezahlt, denn wir freuen uns natürlich, wenn ein Küchenchef eine Meinung von uns haben will und uns deswegen zu sich einlädt.

Aber – und das ist ein fettes ABER:
1. Erwarten wir das keineswegs – haben wir auch an diesem Abend nicht –
und
2. Kommunizieren wir das und es muss dem Küchenchef auch klar sein, dass wir trotzdem Kritik äußern dürfen.

Und hier – soviel sei verraten – hat Herr Kikillus wirklich nicht zu befürchten, nein es war ein grandioser Abend. Genug verraten – jetzt wird gegessen und sinnvoll getrunken.

DSC_4248
Apero [Flammkuchen]
Gruß aus der Küche

Nach dem erfrischenden Drink + Apéro – Flammkuchen – wird’s mit dem Gruß erstmal flüssig und heiß. Die Curry-Zitronengras-Suppe ist ausgezeichnet abgeschmeckt und das Krustentierchen auf dem Tischgrill – bloß nicht anfassen, wirklich wahnsinnig heiß – passt mit seiner wunderbaren Süße und Saftigkeit erwartungsgemäß perfekt dazu. So will man doch gegrüßt werden, oder?

Lachs

Das eigentliche Menü beginnt dann mit Lachs|Avocado|lila Senf|Quinoa. Genauer gesagt befindet sich auf dem Teller gebeizter Lachs, mit lila Senf bestrichen und mit Quinoa und gepufftem Reis bestreut, dazu Möhre und Avocado in verschiedenen Texturen. Subtile, leichte und – das ist ja mal wieder das Wichtigste – wohlschmeckende Angelegenheit. Wunderbarer Start.

Entenstopfleber

Und verständlich, dass das Gericht vor Entenstopfleber|Haselnuss|Birne|Schokoladenäste auf dem Plan steht. Denn subtil und filigran ist Stopfleber im Geschmack nun wirklich nicht. Saugeil! Alleine zwar nicht das Highlight, aber mit dem süßen Schokomännchen kombiniert ergibt sich einfach nur ein Knall im Mund. Die klassische, fruchtige Komponente von der Birne tut ihr Übriges dazu und Simsalabim ist der Teller leider auch schon leer.

Steinbutt

So waren die ersten beiden Gänge schon super und wirklich nix dran auszusetzen, kommt‘s jetzt aber faustdick. Steinbutt|Winterspargel|schwarzer Knoblauch|braune Butter|Zitronen Beurre Blanc! Klingt schon gut? Ist noch besser. Der Steinbutt wurde dabei mit wumms gebraten. Heutzutage leider nicht mehr ganz üblich, hier aber eindeutig die beste Methode und perfekt umgesetzt noch dazu. So bleibt der Fisch, trotz der Schwarzwurzel – alias Winterspargel – die mit Lauchasche umhüllt wurde und dadurch ein, von mir bisher noch nicht gekanntes, kräftiges Aroma auf den Weg bekommt, der King auf dem Teller. Und der Rest erst. Oh mann, da könnte noch so viel rumphilosophieren werden – aber das lassen wir jetzt. Fakt ist: Superlecker!

Iberico Schwein

Nach Fisch nun Fleisch. Iberico Schweinefleisch|Karotte|Senfkörner|Paprika – und das Schweinchen direkt als Trio. Schon mal Iberico Kotelett gegrillt? Nein? Dann lassen Sie’s, denn ansonsten ist man auf immer für 08/15-Kotelettes aus dem Supermarkt versaut. Hier haben wir nun einmal den Bauch schön kross gegrillt, dann das Filet eingewickelt in Lardo – Schwein im Schwein sozusagen – und dann noch das wunderbare glasierte Bäckchen in einer tiefen, aromatischen Jus. Karotte und Paprika steuern die passende Süße dazu und voilà schon ist das zweite Highlight des Abends geboren.

Irisches Rind
Irisches Rind

Nun wird’s wieder heiß am Tisch. Der Tischgrill ist back.

IrischesRind|Waldpilze|Röstzwiebeln|Folienkartoffel. Das Fleisch ist wie beim Schwein davor ein Traum an Zartheit und Geschmack. Kla wurde ja auch auf einem Green Egg gegrillt. Jawohl, die haben einen Green Egg Grill in der Küche stehen. Geil! Noch geiler wäre es nur noch, wenn direkt im Gastraum gegrillt werden würde. Aber das lässt sich vermutlich nicht mit der Rauchentwicklung vereinbaren. Naja, wir kriegen immerhin wieder die Spielzeugversion, mit der Folienkartoffel. Echt wunderbare Idee dieser Grill. So kommt das Essen garantiert knalle heiß an den Tisch – ist ja in der Spitzengastronomie nicht immer selbstverständlich. Die klassischen Beilagen mit aromatischen Pilzen und Röstzwiebeln sind auch mal wieder wunderbar gekocht. Nur – und ich entschuldige mich dafür, weil eigentlich Korinthenkackerei – die wieder gleiche Konsistenz, Püree  wirkt ein wenig langweilig. Keinerlei Abbruch für den Geschmack und so geht auch dieser Teller ratzeputze leer in die Küche zurück.

Apfelkuchen

Kommen wir zum süßen Schluss. Mit Apfelkuchen kommt ein – wie nennt man es so schön? Ach ja, dekonstruiertes Gericht auf den Tisch. Mir vollkommen gleich, wie es heißen mag, die Kombination von selbstgemachten Vanilleeis, Butterstreusel, Apfelkompott und was da noch so alles auf dem Teller rumkreucht ist einfach Hammer. Nichts Unerwartetes, nichts anspruchsvolles, sondern einfach nur ein Dessert wie es sich gehört. Crunch, Fruchtigkeit, Cremigkeit, Süße, alles dabei. Wenn ich das nächste Mal komme, will ich das bitte nochmal, ja?

Zitrusfrüchte

Aber damit ist ja noch nicht Schluss. Zitrusfrüchte|griechischer Joghurt|Luftschokolade bildet sozusagen das Kontrastprogramm zum eben Gegessenen. Ein leichtes Dessert mit erfrischender Säure, gewissen Bitternoten und auch Ingwer. Ich liebe Bitteres. Schade, dass heutzutage durch den industriellen Mainstreamgeschmack alles immer mehr ins Süßliche geht. Ihr traut euch was Jungs, klasse! Nach dem nicht schweren, aber auch nicht ganz leichten Apfelkuchen also nochmal ein leichter, erfrischender und gelungener Abschluss. Wieder nur eine kurze Bemerkung: die Soße mit dem Ingwer hättet Ihr ruhig am Tisch stehen lassen können. Ein Traum!

Petit fours

Nach den obligatorischen Petit Fours zum Espresso – alles lecker Schmankerl – bleibt die Erkenntnis, dass die vielen Stationen des umtriebigen Küchenchefs nicht umsonst waren. Und das Ziel der Küche einen der begehrten Sterne zu ergattern, sollte, in unseren Augen, wirklich kein großes Problem darstellen.

Fehlt nur noch ein kräftiger Lob auf den Service. Und das ist verdient. Locker, sympathisch, immer für einen Witz zu haben, gleichzeitig professionell und – natürlich – höflich. Reicht wahrscheinlich nicht für einen dritten Stern, aber nur weil zu unverkrampft. Naja, die vom Michelin werden es irgendwann auch noch begreifen. Ebenfalls danke dafür.

Und trinken durften wir auch noch was. Die Weinbegleitung:

  • Chardonnay Brut|Menger Krug|klassische Flaschengärung|Pfalz
  • Riesling unplugged|Tesch|Nahe
  • Laurentiuslay Riesling Spätlese|Carl Loewen|Mosel
  • Lugana D.O.C.|Calojea|Sirmione|Italien
  • Nero d’Avola|Firriato|Sizilien|Italien
  • Rioja tinto crianza D.O.C.|Tempranillo/Garnacha|Marques de Tiron|Rioja|Spanien
  • Beerenauslese Scheurebe|Zantho|Burgenland|Österreich

Ich danke David Kikillus ganz herzlich für die Einladung und dem gesamten Küchen- und Serviceteam für den tollen, kurzweiligen Abend. Nur eine Frage noch: Habt Ihr euch mal überlegt nicht nach Ingolstadt zu ziehen?

Informationen zu diesem Besuch

Restaurant:

kikillus RESTAURANT

Chef:

David Kikillus

Ort: Dortmund
Anmerkung:

Legende - Wie war's?

so lala

okay

gut

Exzellent

Unbeschreiblich

Für Service und Ambiente

Deine Meinung ist gefragt!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>