Le Gourmet – ein Tag in Heidelberg Vol. 1

Vol. 1? Ja es gibt kommt auch ein Vol. 2, aber dazu später mehr. Jetzt erstmal ab ins Le Gourmet, wo Chefkoch Mario Sauer den Kochlöffel schwingt. Also dem schönen Schloss und Neckar den Rücken gekehrt und eine kleine Anhöhe hinauf zum Traditionshotel Hirschgasse, in dem das Restaurant beheimatet ist. Sowohl dem Hotel, als auch dem Restaurant sieht man direkt seine lange Traditionsgeschichte an. Grüner Kachelofen, große massive Tische und schwere Samtvorhänge gehören zum Interieur des Le Gourmet. Gut, dass die Einrichtung Geschmacksache ist.

Aber wir sind schließlich auch wegen des Essens hier und da tut sich auch direkt was mit drei kleinen Häppchen, die mitsamt der Karte und einem fruchtigen Aperitif gereicht werden. Das Thema: 3x Tatar. Links Räucheraal und Gänsestopfleber mit Roter Bete und geeistem Granny Smith, in der Mitte vom Chicorée und Rechts vom Limousinlamm in gepökelter Zunge. Schon mal ein super Auftakt, teilweise fruchtig, rauchig, fleischig, säuerlich und ein wenig bitter. Einfach alles dabei, um die Geschmacksknospen in die richtige Stimmungslage zu versetzen.

3x Tatar

In der Karte stehen zwei Menüs, bestellbar in 3, 4, 5 und 6 Gängen. Allerdings lässt der Service auch direkt wissen, dass locker, leicht zwischen den Gerichten kombiniert werden kann – wenn gewünscht auch gerne alle 12. Na ja sieben reichen dann doch, also los geht`s.

Und zu allererst trau ich meinen Augen kaum. Was kommt denn da? Ein Brotgang, bestehend aus Brot und Butter – und davon nicht zu wenig. Ich könnte mir vorstellen, dass das Ganze – nennen wir es beim Namen – Fett nicht jedermanns Sache ist. Die Küche wagt mit diesem „Gang“ viel – und gewinnt den Jackpot. Das Brot, kommend aus dem Schwarzwald, ist innen wunder leicht, luftig und saftig, außen schön knusprig. Die leicht gesalzene französische Butter ist so gut wie Butter eben einfach nur sein kann. Deutsch-französische Liebe, perfekt vereint, da wäre alles weiter überflüssig. Klasse.

Brot und Butter

Etwas, was man leider über den nächsten, nun offiziellen Gruß aus der Küche, nicht sagen kann. Bei Clubsandwich – ganz und zerlegt versucht sich die Küche an der Dekonstruktion – und sollte es lieber sein lassen. Das auf ein Spießchen ganze Sandwich ist noch sehr gut und schmeckt hervorragend fleischig, knusprig und durch das frische Gemüse frisch und leicht. Die anderen Komponenten auf dem Teller allerdings, aufgereiht auf einer Käsecreme, sind hingegen entweder recht geschmacksneutral oder dieser lässt sich nicht zuordnen. Na ja soll vorkommen, schwamm drüber.

Clubsandwich - ganz und zerlegt

So kommen wir aber endlich zum ersten Gang. Es geht los mit dem schlichten Namen Entenstopfleber und Pilze. Die Leber kommt einmal in einem Röllchen, gebraten auf einem Bett aus Pilzen und als Terrine auf den Teller. Klassisch, fein und lecker wie es sein sollte. Der Pilzsalat strotzt nur so vor Umami und kommt dadurch gut gegen die fettige Leber an. Einzig die beiden Lüftchen vom Apfel und noch einem anderen Obst sind redundant, da geschmacksneutral. Aber das tut dem Genuss keinen Abbruch – und sieht immerhin schön aus.

Entenstopfleber und Pilze

Als nächstes geht es weiter mit einem ganzen Haufen meiner Lieblingsprodukte: Meeresfrüchte und zwar direkt in dreifacher Ausführung. Sankt Jakobsmuschel, Pulpo und Kalmar werden kombiniert mit Kokos, Blumenkohl und einem Curry-Eis. Die Tiere aus dem Meer sind durchweg perfekt gebraten/gegart. Curry und Kokosnuss geben dem ganzen einen Hauch Orient. Dazu kommt das schöne Spiel mit den verschiedenen Temperaturen. Wirklich ein klasse Gang.

Sankt Jakobsmuschel, Pulpo und kalmar mit Kokos und Blumenkohl

Da es langsam kalt wird, kommt nun auch wieder die Zeit der wärmenden Suppen. Und wenn alle so gut wären wie Kalbsbriesmaultaschen und Kabeljau-Brunnenkresse Salat mit mild geräucherter Artischokensuppe würde ich wahrscheinlich nur noch Suppe essen wollen. Die kräftige und rauchige Suppe wird wunderbar durch die Frische des Salats kontrastiert, wobei die Maultaschen für den gewissen Biss sorgen. Wunderbar süffig und einfach zum Auslöffeln gut.

Kalbsbriesmaultasche und Kabeljau-Brunnenkressesalat mit mild geräucherter Artischockensuppe

Ebenfalls in die Jahreszeit passend ist der Hauptgang. Ente und Kürbis wird recht klassisch und schlicht serviert und das heißt bei Nichten nicht schlecht. Die Brust des Federviehs ist top rosa gebraten, das Keulenfleisch zart geschmort in einer wunderbaren intensiven Soße und der Kürbis kommt in Form von Gnocchis und gegarten Scheiben auf den Teller. Gutes Fleisch, gute Soße und eine leckere und passende Beilage, optimal zubereitet. So simpel kann Genuss sein.

Ente und Kürbis

Und bevor es nun an die süßen Sachen geht, kommt erst einmal ein schönes Brett voller Käse vorbei – zusammen mit Baguette, Früchtebrot, Thymianhonig, Paprikamarmelade und einem Ragout aus Trauben und schwarzen Nüssen. Einfach lecker.

Affinierter Rohmilchkäse vom Wagen

Thymianhonig, Paprikamarmelade, Ragout aus Trauben und schwarzen

Danach folgt mit geeistem Espresso und hausgemachtem After Eight eine Einstimmung auf das erste Dessert. Einstimmung gelungen, es kann weiter gehen.

geeistem Espresso und hausgemachtem After Eight

Und das tut es auch direkt mit Schokolade und Minze façon Mortimer. Sehr gut gelungen die Verbindung der dunklen, kräftigen Schokolade mit der Frische des Lippenblütengewächses. Ein wirkliches Highlight dabei die warme Schokoladenpraline, die zuerst dünn paniert und dann kurz ausgebacken wird. Außen knusprig, innen weich, dazu leicht warm mit intensivem Schokoladenaroma. Toll!

Schokolade und Minze façon Mortimer

Vor dem zweiten – richtigen – Dessert kommt wieder zuerst eine kurze Einstimmung auf das Thema. Das Ziegenquarksoufflé mit Datteln und Granité kommt dabei mit strahlendem Licht und einem kleinem Schatten daher. Das Soufflé ist zwar etwas flach geraten, aber dennoch schön weich, luftig und schmeckt einfach ausgezeichnet. Das ganze passt zudem 1A zu der leicht sauren und bitteren Oliventapenade. Das dritte Element auf dem Teller hingegen, gefrorenes Thymianwasser mit irgendeinem Ring aus Gelee darum, ist absolut überflüssig. Egal, das andere ist in Kombination umso besser, also Schwamm drüber.

Ziegenquarksoufflé mit Datteln und Granité

Ziegenmilch mit Oliven, Datteln und Kräuter der Provence bildet dann den leckeren –offiziellen – Abschluss eines, in fast allen Belangen, gelungenen Abends. Die Ziegenmilch wird dabei mit süßlichem Pesto, getrockneten Oliven und einem Stück Käsekuchen serviert. Wirklich stark dabei – wie im Vordessert – das Zusammenspiel zwischen den süßen Komponenten und den würzigen Kräutern. Das hätte ich direkt danach noch einmal essen können.

Ziegenmilch mit Oliven, Datteln und Kräuter der Provence

Inoffiziell kommen dann noch mit gebackener Maiskrapfen, Kaffee-Eiskonfekt, Traube-Nußmarshmellow drei kleine Leckerein an den Tisch die allesamt schnell verputzt sind.

gebackener Maiskrapfen, Kaffee-Eiskonfekt, Traube-Nußmarshmellow

Und jetzt? Fazit? Nein, es wurde ja auch etwas getrunken – und der Chefsommelier Gilles Duflot weiß seinen Gästen einen guten Tropfen einzuschenken. In aller Kürze:

–          Weingut Paulinshof, Braunberger Kammer, Riesling Spätlese, Feinherb, von der Mosel, aus dem Jahr 2010 (mein Favorit – superlecker – must have!)

Weingut Paulinshof, Braunberger Kammer, Riesling Spätlese, Feinherb, Jahrgang 2010

–          Joseph Drouhin‘s Rully Blanc, Jahrgang 2010 (Herber als der Deutsche und auch sehr lecker)

Joseph Drouhin‘s Rully Blanc, Jahrgang 2010

–          Joachim Hollarith’s Maximus, Jahrgang 2009 (Herr Duflot hat die Exklusivrechte – schade)

Joachim Hollarith’s Maximus, Jahrgang 2009

Abschließend aber das Fazit. Kurz: Durchaus positiv. Etwas länger: Herr Sauer und seine, auf der guten, alten, klassisch französischen Basis ruhenden Küche und der – aus der gleichen Region kommende – charmante, zuvorkommende Service, können schon so einiges. Einzig bei manchen Elementen wird etwas Schnickschnack serviert, wobei da weniger eindeutig mehr wäre – wie bei dem Butterbrot. Geniale Einfachheit in Perfektion – und das alleine ist schon ein Grund dem Le Gourmet einen Besuch abzustatten.

Nachtrag am 07.11.13: Was ist denn heute? Donnerstag. Ja schon – aber nicht irgendeiner. Denn heute ist die Presseerklärung zum neuen Guide Michelin 2014 für Deutschland. Und wer wurde da unter anderem mit einem begehrten Macaron ausgezeichnet? Richtig, das Le Gourmet in Heidelberg. In diesem Sinne wollen wir damit dem gesamtem Team des Le Gourmet zu dem neuen, vollauf verdienten ersten Stern gratulieren. Herzlichen Glückwunsch!

Informationen zu diesem Besuch

Restaurant:

Le Gourmet

Chef:

Mario Sauer

Ort: Heidelberg
Anmerkung: Tolle Weine + toller Service + leckeres Essen = zu empfehlen

Legende - Wie war's?

so lala

okay

gut

Exzellent

Unbeschreiblich

Für Service und Ambiente

Deine Meinung ist gefragt!

  1. Lieber Fresser,
    vielen Dank für die konstruktive Kritik.
    Klar ist, wir haben unser bestes Gericht noch nicht gekocht.
    Ich freu` mich auf einen Wiederbesuch, der hoffentlich wieder mit starken Fotos und einem Lächeln im Bauch endet.
    Gruß Mario

    • Lieber Mario, zuerst noch einmal Herzlichen Glückwunsch zum ersten Stern. Und gerne kommen wir wieder vorbei, wobei wir vom lächeln im Bauch absolut überzeugt sind.

  2. Pingback: Restaurants testen von leidenschaftlichen Essern | der-fresser.de

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