Österreichische Klassik: Landhaus Bacher

Kurzurlaub im Kamptal in Österreich, also was tun? Natürlich mal das schöne Wien angucken. Und bei dieser Traumkulisse dürfen auch Mountainbiketouren nicht zu kurz kommen. Aber was darf bei so viel Bewegung auf gar keinen Fall fehlen? Ja natürlich, gutes Essen. Gut, dass meine Gastgeberin das auch so sieht und was fällt ihr da unter anderem ein? Das Landhaus Bacher. War das ein guter Tipp? Lest selbst.

Also zu Tisch bitte! Wohlfühlstimmung inklusive. Wen wundert‘s? Bei der Mischung aus milder Abendluft, einer traumhaften Terrasse, 3 kleinen Häppchen und der – aus der Karte und den Happen zu entnehmenden – Aussicht auf einen absolut genussreichen Abend. Vier Menüs mit je fünf bzw. sechs Gängen stehen zur Wahl. Freilich können auch die einzelnen Gerichte aus den unterschiedlichen Arrangements nach Lust und Laune einzeln gewählt werden. Weil es so gut passt nehmen wir das Sommermenü. Aber ich kann‘s natürlich nicht sein lassen – ein Gang extra muss es dann doch auch noch sein. Aber hier erstmal die Apéros:

Apero

Apero

Apero

Gefolgt von einem vorzüglichen Gruß aus der Küche.

Gruß aus der Küche

Und dann fängt es auch schon mit der extra georderten Vorspeise an. Was Leichtes zum Start: marmorierte Entenleber, glasierte Marille & Gelee, Pfefferkrokant, Joghurtkaramell, Pistazienmark, in Kakaobutter gebratene Brioche. Optisch ein Traum, geschmacklich eine Wucht. Die Entenleber harmoniert erwartungsgemäß wunderbar mit der Süße der heimischen Marille. Aber Pistaziencreme und Pfefferkaramell? Es geht – und wie! Es bringt Witz, es bringt Pepp. Und das so gut, dass dieses Entenlebergericht sofort zu den besten zählt die ich – bisher – verköstigen durfte.

marmorierte Entenleber, glasierte Miarille & Gelee, Pfefferkroka

Das war doch schon mal ein Anfang. Ach was sag ich, das war der Anfang. So sollte jedes Menü starten! Und das tut es auch. Denn der offizielle 1. Gang des Sommermenüs macht zwar eine 180° Drehung in Sachen Aufbau und Aromen, aber bleibt exakt auf einer Linie in Sachen Genuss. Die Cevice vom Ramsauer Alpsaibling, Zitrus-Miso & Kernöl, gehobelte Radieschen, Petersiliencreme & Sauerteigkrokant lässt sich am besten mit dem Wort beschreiben, das ein befreundeter Gastronomen meiner Begleitung verwendete: „Gaumense***“. Dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen.

Cevice vom Ramsauer Alpsaibling, Zitrus-Miso & Kernöl, gehobelt

Langsam macht sich die natürliche Lichtquelle bemerkbar rarer und deswegen möchte ich für die folgenden Fotos um Nach(t)sicht bitten.

Aber das mindert keineswegs die Qualität der Gerichte, die die Küche verlassen. Dabei findet immer mindestens ein Teller mit Meeresfrüchtegerichten den Weg in den Menüplan. Ich muss gestehen: sehr zu meiner Freude. Und mit gebratene Langostino „Royale“, junge Erbsen, gerösteter & marinierter Karfiol, Mandel-Quinoa & Holunder-Kokossud hat die Küchenbrigade einen absolut würdigen Vertreter geschickt. Ich denke, dieses perfekt gegart kann man sich auf so einem Niveau meistens sparen. Die Komposition entscheidet. Das Zusammenspiel. Wie beim Fußball. Und wie ist es hier? Mit dem knackigen Krustentier, dem Nussigen des gebratenen Blumenkohls & des Quinoas, der frischen Süße der Erbsen und dem Lebendigen & Vollmundigen – leicht ins asiatisch abdriftende – des Holunder-Kokossudes ergibt sich wieder ein perfektes Gesamtbild. Spiel, Satz und Sieg will man sagen. In Summe wird mir das Gericht zwar nicht so in Erinnerung bleiben wie die beiden Vorspeisen, aber dennoch durchweg gelungen.

gebratene Langostino "Royale", junge Erbsen, gerösteter & marin

Etwas was sich fast auch für das nächste Gericht sagen lässt. Sommerkürbis & geschmorte Wassermelone, grüne Mandeln, Pfefferoni, Ricottacreme & Marinade von grüner Paprika ist so unglaublich leicht, fruchtig – ja einfach sommerlich, dass man denken könnte, man würde an einem Strand in der Karibik verweilen. Allerdings kann ich nur jedem raten, der dieses Gericht zufälligerweise ebenfalls in den nächsten Tagen essen sollte, das roh aufgeschnittene Stück der Chili doch lieber zur Seite zu legen – oder zumindest noch etwas Ricottacreme zum Löschen übrig zu lassen. Aber selbst nach dieser Attacke können wir diesen vegetarischen Gang als durchaus lecker einstufen.

Sommerkürbis & geschmorte Wassermelone, grüne Mandeln, Pfeffer

Nach dieser heißen Erfrischung sind wir dann auch schon beim Hauptgang angelangt. Glasierter Rücken vom Rehbock & Macadamia-Nußstreusel, junger Mais, Chicorée, milder Speck & Eierschwammerl, mit Kambotpfeffer karamellisierter „Armer Ritter“ ist erstmal, wie so viele Hauptgänge, klassisch ausgelegt. Aber es kommt, ebenfalls wie bei vielen Hauptgängen, zu keinem Abfall. Geschmacklich wunderbares Rehfleisch trifft auf eine intensive, leichte, zeitgemäße Soße und ebenso geschmacklich überzeugende Beilagen. Den Part der süßen Preiselbeeren oder Birnen übernimmt bei diesem Wildgang der karamellisierte Arme Ritter. Einfach lecker, vor allem auch, weil einem ein bisschen mehr vorgesetzt wird als ein Stück Fleisch, das mit einem Happs im Mund verschwunden ist.

glasierter Rüchen vom Rehbock & Macadamia-Nußstreusel, junger

Aufgrund von akutem Platzmangel – hier wird echt nicht mit den Portionen gegeizt, Daumen hoch –verzichten wir schweren Herzens auf den Käse und gehen direkt weiter. Sauerrahmeis & Akazienblütensirup, Joghurtkrokant, rote & schwarze Ribisel übernimmt dann die Überleitung zum Dessert. Fruchtig und leicht, so wie es sein sollte. Nicht mehr aber auch nicht weniger. Also das Dessert bitte…

Sauerrahmeis & Akazienblütensirup, Joghurtkrokant, rote & schwa

…, mit dem die Küche noch einmal etwas rausgibt, wovon ich gerne ein paar Portionen nach Deutschland geliefert bekommen würde. Mit Glasierte Wachauer Marillen & Hefeeis, mit Zimblüten & Honig karamellisierte Pekannüsse, Metsirup & Florentiner endet das Menü wie es begonnen hat –einem kulinarischen Feuerwerk. Der Geschmack des Eises eher unterschwellig, aber doch vorhanden, dazu die Fruchtigkeit der österreichischen Aprikosen und die Süße und der Biss der karamellisierten Nüsse – ein Traum. Alles ein wenig aufgewirbelt durch die Rustikalität des Mets. Wirklich ein mehr als gelungener Abschluss.

glasierte Wachauer Marillen & Hefeeis, mit Zimblüten & Honig ka

Die Wohlfühlstimmung ist immer noch vorhanden. Jetzt, zum Ende des Menüs, gepaart mit einem angenehmen Sättigungsgefühl. Wobei die Kleinigkeiten zum Espresso natürlich auch noch eine Lücke im Bauch finden.

süße Naschereien

süße Naschereien

süße Naschereien

Damit ist das Spiel auch schon wieder aus. Bacher hat gewonnen. Haushoch. Menü, Service, Atmosphäre und die Küche spielen eindeutig in der Königsklasse. Auch wenn es den bekannten Guide mit den Sternchen in Österreich nicht mehr gibt, seine letzte Wertung 2009, in der das Landhaus mit zwei Sternen geadelt wird, ist immer noch zutreffend – auch wenn ich behaupten möchte: hier ist man näher an einem Aufstieg als an einem Platz im Mittelfeld.

Ich möchte dem Küchenchef Thomas Dorfer, der Chefin Frau Wagner und natürlich dem gesamten Service- und Küchenteam für einen schönen Abend danken. Meine Gastgeberin werdet Ihr, denke ich, nun öfter sehen – und mich bei meinem nächsten Besuch im Kamptal natürlich auch. Bei solchen Aussichten habe ich auch gleich wieder Lust morgen wieder für ein paar Tage nach Wien zu fliegen.

 

Informationen zu diesem Besuch

Restaurant:

Landhaus Bacher || http://www.landhaus-bacher.at/home/

Chef:

Thomas Dorfer & Lisl Wagner-Bacher

Ort: A-3512 Mautern
Anmerkung:

Legende - Wie war's?

so lala

okay

gut

Exzellent

Unbeschreiblich

Für Service und Ambiente

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