CareTrip – Gut reisen  /  Besser ankommen

Sind Blogger Schmarotzer? JA und NEIN!

Ein dickes NEIN! Dachte ich, aber als ich jetzt schon zum dritten Mal gehört habe, was Blogger hier in der gehobenen Gastrolandschaft veranstalten – da frage ich mich? Sind Blogger Schamrotzer? Das macht ja gerade so den Eindruck. Und hiervon möchte ich mich/wir uns um Kilometerlänge distanzieren! Leute – in der Blogszene, so geht das nicht. Ich habe keine Lust, irgendwann die rote Karte zu bekommen. Nicht mehr in Restaurants hineingelassen zu werden. So in etwa: Ähhh, oooh ein Blogger? Der bekommt keinen Tisch mehr bei uns, der steht bei uns auf der roten Liste. Ja, ich bin ein Blogger, seit 2007, für mich spielt exzellentes Essen, maßvolles Trinken und Kommunikation eine große Rolle, ja, das ist meine/unsere große Leidenschaft. Das lass ich mir nicht von einem oder zweien verderben. Typisch: Einer prescht vor, versucht ungerechtfertigterweise Profit auf Kosten anderer zu machen, um sich dann in der Gourmetszene zu profilieren. Nein meine Freunde, das muss an die Öffentlichkeit.

Und von was spreche ich denn? Da gibt es doch welche, die einen vielleicht gutbesuchten Blog haben, große Restaurant-Namen besuchen und damit herumstrunzen, wo und was sie schon überall gegessen haben. Und wollen nichts zahlen. Nichts zahlen für eine Leistung, die Köche erbringen, die nicht mit einer Umsatzrendite von 30 % arbeiten, nein, davon sind die meisten weit entfernt. Aber die Unverschämtheiten gehen noch weiter. Gefordert wir eine Übernachtung in einem mindestens ****Sterne-Hotel, völlig freies Trinken, egal was und selbstverständlich freies Essen und das für 4 Personen! So geht es doch nicht. Das ist doch nicht nur eine Frechheit, sondern modernes Schmarotzertum. Im Journalismus spricht man doch von bezahltem Gefälligkeitsjournalismus – Verarsche den Lesern gegenüber. Diese Pseudoneutralblogs sollen doch von Ihren Lesern Geld verlangen, ein Abomodel daraus machen und die werden sehen, wie die Reichweite in die Zielgruppe sinken wird, denn viele Leser werden die dann nicht mehr haben wollen.

Und ich/wir, die der-fresser-Schreiber machen da nicht mit. Nein. Sicher ist es so, das ab und zu mal ein Glas Champagner zusammen mit der Köchin, dem Koch getrunken wird, das dann nicht auf der Rechnung erscheint, oder dass mal ein oder zwei Gänge auf den Tisch kommen, die ebenfalls nicht auf die Rechnung kommen. Meist deshalb, weil wir gute Testobjekte sind und auch eine ehrliche Antwort dazu abgeben. Aber: Nie und nimmer wird es eine Forderung geben, dass wir nur gegen Geld anreisen und uns vollständig aushalten lassen.

Auf jeden Fall möchten ich/wir authentisch bleiben, realistisch, und wenn es mal nicht ganz so ist, wie wir uns das Essen vorstellen, dann dürfen wir das auch schreiben. Ist es klasse, ja vielleicht sogar Weltklasse, dann dürfen wir auch gerne mal verbal ausflippen. Hey, hey, supergeil, supergeil…

Sodele, mal ordentlich meine/unsere Meinung gesagt und wenn Blogger in solche Richtung gehen werden, dann werde ich mich unbenemmen: Vielleicht wieder in kulinarischer Geschichtenerzähler?

Und am Ende noch eine kleine Aufforderung an die Herren Bezahltblogger: Wenn ihr euch schon bezahlen lasst, dann schreibt doch unter die Posts: Heute wurde ich bezahlt vom Restaurant x.y. Guter Vorschlag, oder?

 

Informationen zu diesem Besuch

Restaurant:
Chef:
Ort:
Anmerkung:

Legende - Wie war's?

so lala

okay

gut

Exzellent

Unbeschreiblich

Für Service und Ambiente

  1. Naja, ich verstehe ja, was Sie sagen wollen, aber so ein bisschen einfach gedacht ist Ihre Schimpfkanonade schon, oder? Klar sind Schnorrer zum Kotzen und die Geschichte, auf die Sie sich vermutlich beziehen (Stichwort: Messer in Mannheim), ist hochgradig unseriös.
    Aber eingeladen werden doch heute alle möglichen Schreiber zu allem möglichen, fragen Sie nur mal bei einschlägigen PR-Agenturen (oder internationalen Starchefs) nach. Oder schauen Sie nur mal in den Reiseteil der FAZ, da finden Sie kaum einen Artikel der nicht „unterstützt“ wurde. Was heißt das wohl? Man muss da schon ein bisschen unterscheiden. Das Thema ist natürlich sehr ernst und bisweilen auch ärgerlich, Umso wichtiger ist eine differenziertere Betrachtung. Insofern wirkt Ihre Tirade eher kontraproduktiv.
    Ihre Restaurankritiken mag ich allerdings gerne, egal wer die Rechnung zahlt 😉

    • Guten Morgen und danke für Ihre etwas andere Sichtweise. Das Thema hat doch sehr viele Facetten. Richtig. Nur ein Klarstellung vorab. Auch wenn ich in Mannheim wohne und Juan Amador kenne, beziehe ich mich hier nicht auf die Messergeschichte. Eindeutig Nein. Ich habe die Informatione von drei Gastronomen, unabhängig voneinander.

      Tirade, okay, ich wollte aufrütteln, das Thema mal grell beleuchten und ich sehe auch an den Diskussionen mit Köchen, wie viele das Thema „Nicht-bezahlen-im-Restaurant“ bewegt.
      Ich bin Betriebswirt und Kommunikationsconsultant und kenne diese Diskussionen aus anderen Bereichen. Also das Thema Bezahljournalismaus ist nicht neu. Das vorab.

      Die einfache beispielhafte Rechnung: 4 Personen übernachten, essen, trinken = 1.500 bis 2.000 €. Dagegen steht ein Restaurant 20 Gäste. Umsatz 150 / 200 € / Kopf = 3.000 € / 4.000 €. Was das bedeutet ist einfach zu rechnen? Wie viel Tage muss ich arbeiten, bis ich das wieder drin habe. Oder wie sich das in der BWA niederschlägt?

      Das Andere, die Offenheit: Mir geht es nicht darum, dass Restaurants solche Angebote annehmen, können sie ja machen, nur dann sollte es gekennzeichnet sein mit – Werbung, Advertorial, dieser Beitag wurde gesponsert von…, Verkaufssendung – oder ähnlichem. Das ist mein Ansatz.

      Und dann sollten sich viele auf den eigentlichen Sinne der Blogs besinnen: Authentisch, offen, kritisch, persönlich, leidenschaftlich und unabhängig. Das ist zumindest unser/mein Ansatz.

      Aber dieses Thema Bezahlen wird noch häufiger in den Medien zu finden sein. Siehe doch die ganzen YouTube-Kanäle, wie die Diskussion um Y-Titty und die Schleichwerbung!

      Und ich freue mich natürlich, dass Sie gerne die Restaurantposts von den Fressern lesen. In nächster Zeit werden Wolfsburg, Frankfurt und eine Reise nach Südtirol mit hochspannenden Besuchen in eher unbekannten Spitzenrestaurants auf der Playlist stehen. Spontanbesuche sind dennoch nicht ausgeschlossen.

  2. Lieber Herr Lopka, vielen Dank für die ausführliche Antwort. Mit Ihren Worten über den eigentlichen Sinn von Blogs haben Sie natürlich recht, wobei ich das sogar auf alle Schreiber und Medien ausweiten würde. Mir war das bei den besagten Blogs gar nicht so bewusst, und ich fragte mich immer, wie die so viele Besuche und Artikel fnanzieren können… Traurig finde ich es in jedem Fall, wenn in den Medien offenbar nicht mehr genug Geld da ist.

    Doch so ärgerlich das alles ist, geht Ihre Beispielrechnung für mich, in Betriebswirtschaft auch nicht unerfahren, aber nicht ganz auf: Sofern der Platz im Restaurant sowieso leer geblieben wäre, sollte man als Kosten pro eingeladener Person den Warenwert ansetzen. Sagen wir 100 Euro. Das wären bei Ihrem Beispiel der 4 Personen 400 Euro. Lassen Sie es 500 sein. Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, ob ein positiver Blogger- oder Zeitungsbericht etwas bringt oder wirklich von so vielen Menschen gelesen wird. Aber eine Werbeanzeige in der Lokalpresse kostet im Zweifelsfall mehr. Anders liegt die Sache natürlich, wenn ein ausgebuchtes Lokal zahlende Gäste abweisen muss, um die Schreiberlinge zu bewirten. Dann liegt ein konkreter Umsatzausfall vor. Liegt das Restaurant in einem Hotel und stellt dort Zimmer zur Verfügung, würde ich auch hier nur maßgebliche Kosten/Einbußen sehen, wenn zahlende Gäste dafür abgewiesen werden müssen. Oder ist es so, dass die Restaurants anderswo Hotelzimmer für die Blogger anmieten?? Das wäre in der Tat krass…
    So oder so und ob Blogger oder FAZ: Es gehören ja letztlich immer 2 dazu. Und wenn ich keine Lust auf einen bestimmen Schreiberling hätte, würde ich das bereits im Vorfeld kommunizieren. Oder eben ggf. sagen: Klar, komm vorbei – aber nur damit Du’s weißt: Du zahlst wie jeder andere auch. Dann soll er kommen oder es lassen. Fertig.

    • Wir liegen doch fast gleich auf. Ich möchte doch nur ein Ehrlichkeit und eine authentische Berichterstattung. Wenn ein Gastronom den Service Blog in Anspruch nehmen will, dann soll er doch etwas dafür bezahlen und der Blogbetreiber soll das kennzeichnen.

      Ich freue mich gut essen zu gehen und ich möchte auch das Schreiben nicht lassen, weil es mir einfach Spass macht. Und das ehrlich.

      Kulinarische Grüsse

  3. Ach so, was ich vergaß: Ich stimme Ihnen 100% zu, dass es gekennzeichnet sein muss, wenn ein Artikel in irgendeiner Form „unterstützt“ wurde. So wie ich das aus der FAZ kenne. Dann kann ich selbst entscheiden, wie ernst ich das Geschriebene nehme. Was ja nicht heißt, dass ein „unterstützter“ Artikel automatisch schlecht oder „gekauft“ ist. Zumindest in der FAZ scheint mir das nicht so. Aber ich will es wissen!

  4. Pingback: Restaurants testen von leidenschaftlichen Essern | der-fresser.de

  5. Pingback: Restaurants testen von leidenschaftlichen Essern | der-fresser.de

  6. Ein toller offener Artikel der den mittlerweile schmalen Grad im Bloggen darstellt. „Bezahlte“ Blogartikel sollten auch erkenntlich sein, das ist die Grundregel. – blos ab welcher Gefallens Gegenleistung zählt es als „bezahlt“? Ich finde gerade im Gastro und Food Bereich ist hier eine schwierige Differenzierung….

    • Moin, moin. Ja, Offenheit ist wichtig und die Diskussion darüber ist ebenso wichtig. Denn wir, Alex und ich lassen uns nicht kaufen, wir wollen unabhängig sein, um unsere offene Meinung schreiben zu können. Weil: Authentisch ist bei Blogs sehr sehr wichtig! Klar, wir werden auch manchmal eingeladen, nur wir wollen das immer kenntlich machen. Häufig benutzen die Restaurants uns auch als „Probieresser“, um Meinungen einzuholen, wie so ein Gericht ankommen könnte. Sie bekommen ein weitgehend objektive Meinung, die in die Konzeption einzelner Gerichte häufig einfliessen. Das finde ich okay, weil bei uns hoffentlich Kochverstand und eine Gastnähe vorhanden ist. Nur Einfluss auf Berichte wird das nicht haben.

      Weiterhin viel Spass beim Lesen des der-fresser.de und kulinarische Grüsse

  7. Bravo! Genauso sehe ich das auch, ich hasse diese ganzen Schmarotzer, die von nichts eine Ahnung haben, sich eh nur aushalten lassen und dann wahrscheinlich noch aus dem Millau ihr so immens wichtige Kritik „abkupfern“ !
    Ihr schreibt mir aus der Seele!

    • Hallo Thomas-Dieter, das ist doch schön, dir aus der Seele zu schreiben. Die besten kulinarischen Grüsse.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.