Süd Afrika. Das Land der duftenden Salamis. The First Shot.

Die große Reise ist vorbei und es kehren so langsam wieder die Normaltage ein. Allerdings wirken die Eindrücke immer noch nach, es sind nicht nur die kulinarischen, sondern auch jene, die Südafrika zu bieten hat. Diese sind grandios und extrem beeindruckend. Wobei es heute und hier um die Eindrücke gehen soll, die uns die Restaurants gezeigt haben. 15 Restaurants in 21 Tagen, eine ganze Menge und über einige muss geschrieben werden. Andere sind eher weniger erwähnenswert, die lassen wir einfach unter den Tisch fallen.

Beginnen möchte ich mit unserem Ausgangspunkt, unserer Culinary Base: Springfontein, sowohl Farm, Weingut und Restaurant zugleich und Springfontein Eats so in die südafrikanische kulinarische Landschaft eingeschlagen hat, wie wahrscheinlich kein anderes vorher. Mir sind Zahlen zu Ohren gekommen, dass allein im Dezember 750 Gäste im Restaurant gespeist haben und das bei nur 40 verfügbaren Plätzen. Wirklich eine ganze Menge! Und eine gganz hervorragende Qualität, Klasse!

Aber wir wollen ein paar Schritte vorher beginnen. Am 31. 12. angekommen, gleich in Silvesterstrudel hineingeraten, ab 0.00 h überfiel uns doch die Müdigkeit – leider hatten wir keinen 1. Klasse-Flug gebucht. Hahahaha.

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Nachdem wir einen 12 stündigen Schlafmarathon hinter uns hatten, bekamen wir direkt am Morgen einen sehr angenehmen Duft in die Nase und nachdem wir mehrmals noch die Nase nach draußen streckten und mal richtig durchatmeten wussten wir: Wir sind angekommen. Die Milkwoods überzogen uns mit einem Salami Duft. Heftig und sobald ich diesen Geruch erkenne weckt dieser die Lust nach Essen, nach Gutem und nach einem Plan: Wohin soll es denn heute gehen?

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Und das Land ist voll von guten Restaurantadressen. Leider häufig voll gebucht, mit langem Vorbuchungszeiten, hier gibt es Tricks, diese zu umgehen. Dazu komme ich später. Aber was viel viel wichtiger ist, ist man erst mal im Restaurant drin. Hier herrscht so eine Lebensfreude, Menschen aller Farben kommen hierher, um Spaß zu haben, sich mit Freunden zu treffen, sich zu unterhalten und zu diskutieren. Alles ist locker, Lautheit ist ein Wort, an das wir uns hier noch gewöhnen müssen. Und die eigentliche Aufgabe, exzellentes Essen und Service abzuliefern wird nicht vergessen, sondern in Einklang mit den Gästen gebracht. Schon der Empfang ist so, dass wir uns wie Freunde vorkommen, eine Herzlichkeit die ganze Zeit, in der man sich im Restaurant befindet, bis hin zum kleine handschriftliche DANKE auf der Rechnung. So was wünsche ich mir für hier! Sollten wir nicht mal eine Petition an die Restaurants auflegen? Ich weiß, was jetzt einige denken: So was gibt es doch in Deutschland auch. Ja, richtig, mit dem Unterschied, dass diese Restaurants leider in der Unterzahl sind. Ich habe es erlebt, diese Freude gut zu essen, zu trinken und zu genießen. Ich merke, ich will die kulinarische Entdeckung fortzusetzen.

Lasst uns in Springfontein Eats beginnen, bei Susanne und Jürgen Schneider. Unsere Gastgeber für die ersten zweieinhalb Wochen. Gleich zu Silvester gab es das, was Südafrika auszeichnet. Gehe in den Garten, ernte das, was im Moment am besten ist, lass die Dinge, wie Gemüse, Früchte, Kräuter reifen und bedränge sie nicht. Lass alles wachsen, wie es kommt, greife nicht in den natürlichen Prozess ein. Sage ja zu Ökologie, ohne dauerhaft den Begriff Bio wieder und wieder zu strapazieren. Nehme Fleisch von Tieren, die unter freiem Himmel auf Weiden stehen, welche nur so von nahrhaften Grün strotzen. Und wenn du Forellen für das Abendessen holst, lass sie uns doch vor ihrem Ableben mit Nelkenduft betäuben. Alles ist hier doch viel normaler und nicht so überstrapaziert, von irgendwelchen Vereinen, die Slow auf Ihrer Vereinsflagge stehen haben. Leute, bei uns ist alles extrem und wir suchen immer wieder neue Säue, die wir durch Dorf treiben müssen. Was ist heute dran? Regionalität? Gestern war es noch Internationalität? Egal, wie die Sau heißt. Eins bleibt. Normalität gepaart mit Freude, das ist Essen in Südafrika.

Das Essen bei Susanne und Jürgen. Das Essen auf dem Weingut Newton Johnson. Das Essen im Test Kitchen. Alle Drei völlig anderes. In Sprinfontein Eats, eine Farmküche mit deutschen Wurzeln, die Jürgen Schneider auch nicht verheimlichen will. Du siehst es, du schmeckt es. Die Saucen sind dicht, der Geschmack ist sofort da, keine Suchen nach irgendwelchen Ecken, in denen etwas versteckt ist. 30 Liter Ansatz, runter reduzieren, klären, Butter. Bumms – Geschmack. Fleisch und Fisch perfekt gegart, Pfanne und Topf haben da noch ihre ursächliche Bedeutung, es gibt keine intellektuelle Anstrengung. Das was auf den auf dem Tisch kommt ist eine ehrliche, direkte und exzellente Küche. Dazu kommen die Produkte aus Südafrika, die Wildnis, die ein paar 100m vom Restaurant herrscht, hier sind die Einflüsse von Südafrika zu spüren. Der Teller mit der roten Bete kann leicht in einem vegetarischen Blutbad enden. Schmackhaft, direkt und Freude versprühend. Dazu die Herzlichkeit von Susanne und du weißt: Hier sind wir willkommen, hier möchte ich leben.

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Eric Bullpit, im Weingut Newton Johnson, einer der etwas filigraner denkt, der mit der Pinzette in der Hand arbeitet, der immer wieder Gemüse so in Szene setzt, dass sie richtig zu Geltung kommen. Der Fleisch und Fisch in eine wunderbare Balance zu Gemüse und Kräuter bringt.

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Was Eatout schreibt bringt es auf den Punkt:

Eric Bullpit’s food has always been technically sound (as diners at his former establishment The Roundhouse would know) but now he’s cooking with more confidence, demonstrating fantastic balance of flavours. Dishes are bursting with flavour and show a clear and uncluttered focus on the core ingredient. No foams, gels or other tricks here – this is pure and very tasty country cooking.

Test Kitchen mit Luke Dale-Robertson, eine Institution, hier ist es schwierig überhaupt einen Tisch zu bekommen. Viele jammern da immer wieder: Wie lange muss ich probieren hier einen Tisch zu bekommen? Ein Restaurant auf 2-Sterne-Niveau. Hier muss ma hin, wenn man in Kapstadt ist.

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Dabei ist es ganz einfach: Eine ***-Sterne Frau haben, diese zum Reservieren vorschicken und dann einfach essen gehen. Schmunzel! Nee, so einfach ist es nicht. Die Geschichte war so: Wir waren in der Old Bisquit Mill, in der das Test Kitchen sich befindet. schaute durch das Fenster und sah, dass alle Tische besetzt waren, fragte dennoch etwas frech nach, ob wir etwas zu Essen bekämen. Ich bekam ein sehr freundliches Sorry und musste ohne Tisch von dannen ziehen. Nach einer halber Stunde grübeln, fragte ich mein Frau, ob sie nicht mal fragen könnte. Weiblicher Charme? Und, und? Klar doch, geht doch mit der Lunch und ich war überglücklich. Die Augen leuchteten und wir durften uns an einen wunderbar einfach gedeckten Tisch setzen. Grandios Gabriele! Leider (;-) musste ich diese Story schon so oft hören. Ja, meine liebe Gabriele, jetzt ist sie öffentlich und jedem bekannt und du brauchst es nicht mehr zu erzählen. Was Eatout schreibt, genauso ist es:

Local and international food lovers alike flock to this gem, often after a month-long wait to get a table – and what an exceptional meal awaits them. It’s no surprise that this celebrated eatery by chef Luke Dale-Roberts, the very deserving third-time winner of Restaurant of the Year, is now featured on the list of the World’s 50 Best Restaurants. Incorporating South African flavours and some serious Asian flair, every dish is technically precise, totally original and beautiful to look at. More importantly, every mouthful, created under the watchful eye of head chef Ivor Jones, is delicious. The grilled scallop with miso and shiitake is brimming with expertly layered, clean Asian flavours – a beautifully balanced and well thought-out delight. A creation of ‘foie gras with four trees’ charms with flavours of oak, pine, chestnut and maple. The seared springbok is an innovative dish, with a turnip milk stencil in the form of a tree and a splash of fermented red cabbage. Every course shines with its own identity and outstanding quality.

Das war´s für heute. 3 Restaurants, 3 Mal richtig Freude, immer wieder die duftenden Salamis und einen Wunsch. Ich will wieder zurück nach Südafrika, diesmal lieber etwas länger und noch mehr Restaurant besuchen. Und im nächsten Südafrika-Shot gibt es noch mehr. Einiges über Moses Ceylan, einem der grandiosesten Küchenchefs, den ich je getroffen habe.

 

 

 

 

 

 

 

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Informationen zu diesem Besuch

Restaurant:

Test Kitchen / Newton Johnson / Springfontein Eats

Chef:
Ort: Südafrika
Anmerkung:

Legende - Wie war's?

so lala

okay

gut

Exzellent

Unbeschreiblich

Für Service und Ambiente