Tour de Saarland Teil 1: Klaus Erfort – Die sichere Bank

Drei Tage Saarland und hauptsächlich in Saarbrücken. Oh wundersamer Weise ist dieses Städtchen in der Nähe der französischen Grenze auch die Heimat des voll besternten Klaus Erfort’s – so ein Zufall aber auch. Also Tisch reserviert und ab zu einem der Vertreter der klassisch französischen Kochkunst – zumindest, wenn man Anderen glauben darf.

Wie sich im Nachhinein herausstellte, wäre die Reservierung allerdings gar nicht nötig gewesen. Ich wunderte mich selbst, nur drei Gäste, wir blieben an einem Donnerstagabend dem Servicepersonal zahlenmäßig deutlich unterlegen – wohl gemerkt: Küche nicht mit eingerechnet.

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Flott geht es los: Direkt mit einer schönen kleinen Auswahl an leckeren und unkomplizierten Fingersnacks, während man in der Karte stöbert und sich den Aperitif schmecken lässt. Nichts Herausragendes, aber gut kombiniert und in Summe schön abwechslungsreich.

Brot
Natürlich darf auch das ein oder andere Brot samt Salzbutter nicht fehlen, bevor es dann mit dem Amuse Gueules weitergeht, welches direkt gut und gerne in mindestens doppelter Portionsgröße hätte kommen dürfen.

Stopfleber | Feige | Aprikose
Die Stopfleberterrine mit Zwetschgensorbet ist eine dermaßen gut abgeschmeckte und umgesetzte Variante eines Stopflebergerichtes, dass man schon hier nicht mehr aufhören möchte zu essen – was leider gleich zu Ende war. So einfach und vordergründig simpel der Gruß aus der Küche auch ist, so fokussiert und stimmig ist er auch. Das verspricht doch einiges!

ROH MARINIERTE LANGOUSTINES MIT AVOCADO, ROSA INGWERSUD UND KORI
Und dieses Versprechen wird mit dem ersten Gang schon mal nicht enttäuscht. Die roh marinierte Langoustine mit Avocado, rosa Ingwersud und Korianderöl ist frisch, stimmig belebend, ja fast schon lebendig. Sowohl der intensiven Schärfe des Ingwers, als auch dem manchmal penetranten Geschmacks des Koriander wird so viel Wind aus den Segeln genommen, dass das feine Krustentier noch genug Raum zum Atmen hat – im übertragenden Sinne gemeint. Der Sud schmeckt intensiv nach dem was er soll und die ab und an aufblitzenden Korianderspitzen machen immer wieder Spaß und geben einfach das gewisse Etwas. Natürlich bleibt, dank des gereichten Brioches, auf dem Teller kein Tröpfchen Soße zurück – wunderbar, zum Glück ein roter Faden, der sich durch das ganze Menü zieht.

KAROTTENACKER MIT PÉRIGORD-TRÜFFEL UND ZIEGENKÄSE
Auch der Karottenacker mit Perigord Trüffel und Ziegenkäse reiht sich nahtlos in die bisher auf das Wesentliche reduzierten und perfekt umgesetzten Gänge ein. Schon bevor der Teller eigentlich den Tisch berührt hat, ist dieser, dank des schwarzen, recht teuren – und dafür, zu meiner Freude, gut portionierten – Pilzes, schon olfaktorisch ein Highlight. Warme, mit Biss gegarte und glasierte Möhren, dazu der cremige, milde Ziegenfrischkäse und natürlich die Edelzutat machen aus einem sich, wie mir gerade beim schreiben klar wird, sehr, sehr simpel anhörendem Gericht ein wahres Fest. Einzig die Deko, eine nach Koriander schmeckende Kresse (Ghoa Cress®?), die mir auch noch öfter begegnen wird, passt für mich zumindest nicht so in das Gericht – aber kann ja auch zur Seite gelegt werden.

GEBRATENE ST. JAKOBSMUSCHELN, NUSSBUTTERSCHAUM UND CHAMPIGNONS
Weiter geht’s mit gebratener St. Jakobsmuscheln, Nussbutterschaum und Champignons. Das Motto scheint zu sein: You get what you read – was ja auch generell nicht verkehrt ist, wie die ersten Teller bereits gezeigt haben. Die beiden Jakobsmuscheln sind, wie zu erwarten, wunderbar gebraten und passen natürlich auch geschmacklich zu den Pilzen und dem Nussbutterschaum. Zudem sind die Protagonisten sowohl qualitativ, als auch geschmacklich ein wahrer Hit. Also, eigentlich kein Grund zu maulen, oder? Nein beileibe nicht. Allerdings werfe ich doch langsam die Frage in den Raum, wo bleiben die Überraschungen, die Erkundungstour oder die kulinarischen Spitzen die eine lange Menüfolge interessant machen?

MÉDAILLON VOM STEINBUTT MIT SPARGEL UND BOUCHOT-MUSCHELSUD
Gefühlt ergeht es mir dann auch ähnlich bei dem nun folgenden Gericht. Auch wenn das Medaillon vom Steinbutt mit Spargel und Bouchot-Muschelsud natürlich wieder technisch und geschmacklich überzeugt, so dass man nicht meckern kann/will, schleicht sich doch langsam eine gewisse Eintönigkeit ein.

WACHTEL: ZWEIERLEI SÜPPCHEN VON DER WACHTEL MIT KLEINEN RAVIOLI
WACHTEL: ZWEIERLEI SÜPPCHEN VON DER WACHTEL MIT KLEINEN RAVIOLI
Diese wird zumindest bei dem noch zwischendurch eingeschobenen zweierlei Süppchen von der Wachtel mit kleinen Raviolis ein wenig aufgehoben. Hier kann man zwischen Teller und Tassen variieren und der gefüllte Nudelteig überrascht auch wieder mit einem starken Trüffelgeschmack. Damit wird hier jedenfalls nicht gespart – großartig. Ansonsten altbekanntes Bild: Alle Zutaten von hoher Qualität und Geschmack, auf den Punkt gekocht und ohne Ecken und Kanten.

US-ROASTBEEF AUF HOLZKOHLE GEGRILLT, SPITZKOHL UND ORIENTALISCH
Kommen wir zum Hauptgang. US-Roastbeef auf Holzkohle gegrillt, Spitzkohl und orientalisch eingelegte Aubergine ist dann eins Highlight des Menüs. Nicht falsch verstehen, die anderen Gänge waren weder geschmacklich schlechter umgesetzt, noch ist dieser besonders fordernd für den Esser. Dennoch besticht mich dieser Hauptgang gerade durch die wunderbar zur Geltung kommende Fleischqualität – die auch noch in einer ausreichenden Menge vorhanden ist – in Verbindung mit der abermals wieder hervorragenden Jus, der mit Chili abgeschmeckt einen gewissen Pepp in die Sache bringt. Schönes Detail: Natürlich wird ein wenig Soße separat in einem kleinen Kännchen serviert und ebenso selbstverständlich geht dieses leer in die Küche zurück.

Käse
Wie so oft in solchen Häusern darf auch der opulente Käsewagen nicht fehlen und ich lasse mir von dem zu jeder Zeit bestens gelauntem und auch gerne ein paar Worte wechselndem Service eine Auswahl zusammenstellen. Opulenz ist doch manchmal was wirklich Schönes.

ZITRONEN-VACHERIN MIT JOGHURT UND OLIVENÖL AROMEN
Mit Zitronen-Vacherin mit Joghurt und Olivenöl Aroma fällt der Übergang zu den Desserts dann erfrischend und gleichzeitig überraschend kräftig aus. Mir gefällt der Brückenschlag mit dem starken Käsearoma ausgesprochen gut, könnte mir allerdings auch vorstellen, dass dies einige Gäste anders sehen würden. Juhu, Ecken und Kanten!

MILLE-FEUILLE VON VALRHONA-SCHOKOLADE MIT EXOTISCHEN FRÜCHTEN
MILLE-FEUILLE VON VALRHONA-SCHOKOLADE MIT EXOTISCHEN FRÜCHTEN
Das eigentliche Dessert wird dann mit dem Titel Mille-Feuille von Valrhona-Schokolade mit exotischen Früchten aufgetragen. Mille-Feuille? Wo? Wahrscheinlich liegt es an einer auseinanderdriftenden Vorstellung von mir und der Patisserie, aber wenn ich an ein Mille-Feuille denke, habe ich ein Bild von einer aus mehreren Schichten von Creme und Blätterteig bestehenden Schweinerei vor Augen, bei der jeder Löffel direkt auf die Hüften durchschlägt. Ein „Herrlich“ würde es mir entlocken!

Was allerdings hier auf den Tisch kommt ist eine durchaus wohlschmeckende Schokoladenmousse mit eingesteckten knusprigen Teigstücken, ein bisschen Maracujagel und à part noch ein ebenfalls sehr gutes Schokosorbet mit Streuseln und Maracujakernen. Alles nicht schlecht, das Exzellentessen-Kopf-Kino hatte andere Vorstellungen.

Weiße Schokolade und rote Bete
Aber gut, ich belasse es ja selten bei nur einer Süßspeise. Als zweites also schon fast der moderne Klassiker der Dessertzutaten: rote Bete. Hier in Kombination mit weißer Schokolade. Ebenso wie die anderen Gänge vertritt auch dieser die Philosophie, weniger ist mehr. Wenige unterschiedliche Zutaten, die aber hier in unterschiedlichsten Konsistenzen und Zubereitungsarten kombiniert werden. Dazu noch die zurückhaltend eingesetzte Süße und die umso stärker vortretenden erdigen Eindrücke machen definitiv Spaß und sind ein schöner, gelungener Abschluss

Was bleibt also vom Menü im Gästehaus? Auf jeden Fall hervorragende Lebensmittel, die mit handwerklichen Können verarbeitet werden und Teller die in sich stimmig, rund und gut schmecken. An dem einen oder anderen Moment im Menü würde ich mir ein mehr Action wünschen, aber das ist persönliche Vorliebe. Ein gutes Stück Rind mit einer Bomben-Soße hat schließlich auch immer was für sich.

Der Service soll natürlich auch nicht zu kurz kommen: Super Leistung! Zugegeben, bei der übersichtlichen Gästezahl war es bestimmt nicht schwer dem Einzelnen mehr Aufmerksamkeit zu geben. Aber dennoch fühlt man sich einfach nur wohl. Danke dafür und bis zum nächsten Ma(h)l.

Tja, leider endet damit auch schon der erste (Fress-)Tag in Saarbrücken, aber zum Glück noch nicht der letzte. Morgen: schlechte Pizza, wunderbare Patisserie und das Le Noir Gourmet. Alle dürfen gespannt sein, Enjoy!

Informationen zu diesem Besuch

Restaurant:

Gästehaus Klaus Erfort

| http://www.gaestehaus-erfort.de/

Chef:

Klaus Erfort

Ort: Saarbrücken
Anmerkung:

Legende - Wie war's?

so lala

okay

gut

Exzellent

Unbeschreiblich

Für Service und Ambiente

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