Tour de Saarland Teil 2: Jens Jakob und sein Team – Die einfach Guten

Neuer Tag, neues Glück. Und davon direkt ganz viel, es ist nämlich ein herrlicher. Sonnenschein, kein Wölkchen – very nice. Das schreit bei solch einer Fresstour doch geradezu nach: Laufschuhe an und viel Bewegung! Schließlich will die ganze aufgenommene Energie verbrannt werden – um dann wieder ganz viele Kalorien aufnehmen zu können.

Aber man kann ja den lieben lang Tag nicht nur mit straffen Laufen verbringen. Also: Sneekers an und die Innenstadt in Saarbrücken erkunden. Frühstück? Ne, nach dem Essen gestern nicht notwendig. Wird schon so passen. Tja, großer Fehler. Irgendwann kommt er halt doch, der böse Heißhunger. Und der ist richtig böse. Auf Pizza!

An sich ist daran natürlich rein gar nichts auszusetzen. Für eine sehr gute Pizza würde ich jedes mittelmäßige Gericht mit Steinbutt, Rinderfilet, Trüffel oder was auch immer stehen lassen. Leider liegt dort auch der Hund begraben: Gute Pizza ist selten und muss erst gefunden werden. In einer Metropole vielleicht kein Problem, aber in einer fremden, nicht wirklich großen Stadt? Ohne Geheimtipp? Schwieriges Unterfangen. Nehmen wir Köln (natürlich nicht vollständig): Toscanini = Könner erster Güte mit holzbefeuerten Steinofen; 485°C = vielleicht ein bisschen hoch gehypt, aber auf jeden Fall sehr kreative Varianten.

Zurück zum eigentlichen Thema. Man geht also zum nächst besten Italiener mit guter Bewertung im Internet und fällt vollkommen auf die Schnauze. Italienisch ist dort nur der arrogante Besitzer. Die Pizza? Hat den Namen nicht verdient. Fettig, labbrig, schlechte Zutaten, Teig nicht durchgebacken und komplett ohne Geschmack. Der Heißhunger treibt es rein und am Ende ärgert man sich doch nur. Naja, immerhin ist noch genügend Zeit um den Klumpen im Magen ansatzweise zu verdauen, bis es zum Jens Jakob ins Le Noir Gourmet geht,…

…wenn da nicht noch eine klitzekleine Kleinigkeit dazwischengekommen wäre. Diese trägt den Namen Franck Kestener und ist ein Patissier aus Frankreich, der offenbar die Frechheit besaß letztes Jahr in Saarbrücken eine Dependance zu eröffnen. Frechheit deswegen, weil sie so versteckt ist, dass ich sie zu spät – leider erst nach der Pizza – entdeckt habe. Aber lange Rede kurzer Sinn: Natürlich kann ich dort nicht einfach nur vorbeigehen. Wenn man die Bilder der Auslagen sieht ist dies allerdings durchaus zu verstehen, oder?

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Ende vom Lied: zwei dieser Törtchen die Folgenden landen neben der Pizza im Bauch – und ich musste mich schwer zusammenreisen nicht noch mehr verschwinden zu lassen. Die Törtchen schmeckten nämlich genauso gut wie sie aussahen – wenn nicht sogar noch einen Ticken besser.

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Der Plan, bis heute Abend kulinarisch also eher Piano zu spielen ist damit schon mal mit Pauken, Trompeten und auch einigen wehenden Fahnen gescheitert. Nun gut, passiert halt. Und glücklicherweise ist man ja noch in der Lage auch ein ganztägiges Gelage mit Genuss absolvieren zu können. Ständige Zurückhaltung ist schließlich auch keine Lösung!

Kommen wir also zum einzigen, von vornerein geplanten kulinarischen Teil des Tages, dem Abendessen im zweifach besternten Le Noir Gourmet. Natürlich heißt es auch hier: das volle Programm bitte. Und das kriegen wir dann auch geboten! Ohne groß Worte über einzelnen Gänge zu verlieren: es war ein toller Abend!

Apero
Fingerhäppchen

Amuse Gueule
Gruß aus der Küche

Roh marinierte Gänseleber mit Mandarine, Sudachi und Zimtblüte Roh marinierte Gänseleber mit Mandarine, Sudachi und Zimtblüte
Roh marinierte Gänseleber mit Mandarine, Sudachi und Zimtblüte, sowie à part noch ein fluffiges Gänselebereis

Marinierte Steckrüben mit Feta-Käse, kleinen Pastillas und Fel
Marinierte Steckrüben – findet man auch nicht jeden Tag im Sternelokal. Vollkommen zu Unrecht, wie das Team hier beweist mit Fetakäse, kleinen Pastillas und Feldsalat

Carabiñero mit Kürbis, Avocado und Purple Curry
Carabiñero mit Kürbis, Avocado und Purple Curry

Nagelrochen mit Topinambur, TrevisianoTardivo und Iyokan
Nagelrochen mit Topinambur, Treviso Tardivo, gestockter Hollandaise und Iyokan – vom Aussehen vielleicht ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber der Geschmack = ganz groß!

Weißer Heilbutt mit Ochsenmark, feinen Zwiebeln und Wirsing
Weißer Heilbutt mit Ochsenmark, feinen Zwiebeln und Wirsing

Imperial Wachtel mit zweierlei Kohlrabi und Rahmpilz Mousseline
Imperial Wachtel – auch wenn man es nicht so erkennt, abgesehen von den beiden kleinen Unterschenkeln komplett knochenfreie Zone. Dazu auch noch sauheiß serviert. Einfach Stark! mit zweierlei Kohlrabi und Rahmpilz-Mousseline

Crémeeis vom Schafsjoghurt mit Bitter Lemon
Crèmeeis vom Schafsjoghurt mit Bitter Lemon und Wassermelone

süße Naschereien
Die süßen Naschereien zum Espresso – die passen komischerweise immer

Man war das Lecker! Sicher, der eine Gang gefällt einem persönlich besser als der andere, aber in Summe war alles super gekocht, wunderbar abgeschmeckt, gut durchdacht und einfach ein Genuss. Klar, Showeffekte, Erlebnisse und Hypes sucht der geübte Esser hier vergebens. Aber seien wir doch mal ehrlich, ist es nicht traurig, wenn man immer nur die (Sterne-)Restaurant besucht, die momentan den größten Hype um sich machen oder von anderen Möchtegernsternefressern gemacht wird? Natürlich ist das Essen dort oft sehr interessant, aber ständig der Pellegrino Liste hinterherzufliegen oder in die gerade kulinarisch angesagtesten Länder zu jetten, kann auch nicht das Ziel eines wahren Genussmenschen sein – wohl eher das eines kulinarischen Hipsters.

Aber damit auch zurück zum eigentlichen Thema: Was das junge Küchen- und Serviceteam hier – übrigens bei knackig vollem Haus – auf die Teller bringt, das hat Hand und Fuß und – das wichtigste – vor allem Geschmack. Dazu noch ein paar Gläser Wein, eine ausgesucht sympathische Gesellschaft, ausgelassene Stimmung, fertig ist ein rundum perfekter Abend. Bleibt nur noch eine Frage offen: Wie zum Teufel nimmt man eine Wachtel aus und bringt sie danach wieder so in Form?

Informationen zu diesem Besuch

Restaurant:

Le Noir Gourmet | http://lenoir.jensjakobgourmetworld.com/

Chef:

Jens Jakob

Ort: Saarbrücken
Anmerkung:

Legende - Wie war's?

so lala

okay

gut

Exzellent

Unbeschreiblich

Für Service und Ambiente

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