Wenn es im Sechsten fast zum Sex kommt

Premiere?  Generalprobe? Irgendwie weiß man nie so genau, wo es hinläuft. Keiner von den Protagonisten in der Küche und im Service, und natürlich keiner von den Gästen. Es ist schon sehr spannend, denn keiner von den Eingeladenen kennt das Opus V. Okay, es ist im Engelhorn und damit ist klar, da wird nichts dem Zufall überlassen. Trotzdem: Weiß man, wie es wirklich ankommt? Weiß man, wie die zukünftigen Gäste reagieren? Stimmt das Konzept? Stimmt die Einrichtung, stimmt das Essen, das Trinken? Fragen über Fragen, die sich bei solch einer Premiere ergeben.

Schon die Einladung war klasse und schön, wenn sich Journalisten und Blogger treffen, die einen, die sofort ihr Reporterblöckchen zücken, sobald einer der Wichtigen etwas sagt, immer wieder den üüüüüübbbbberstrapazierten Begriff des „Kochlöffelschwingens“ und „große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus“ niederschreiben. Und dazwischen ich, der von Anfang an die einzelnen Gänge, die zukünftige Speisekarte via Facebook und Twitter in die darauf schon wartende – kulinarische Welt hinausposaunt. Für die klassischen Jornalisten eine etwas bittere Pille. Aber es ist doch auch schön, am nächsten Tag von der Eröffnung zu lesen. Und es war wieder sensationell, wie schnell sich eine Speisekarte im Netz verbreitet, am nächsten Tag war sie schon überall unterwegs, konnte gar nicht so schnell zuschauen. Neugierde in der Szene! Wenn Tristan Brandt im neuen Opus V kocht!

Und nun zum Sex. Daruf warten doch schon alle. Oder?

Wie wir wissen gibt es viele Arten von Sex, so unterschiedlich wie wir Menschen halt sind. Das sind die mit den Handschellen. Jetzt die Frage: Wer wollte nicht in diesem 100 Punkte Parker-Weinschrank zusammen mit einem Flaschenöffner angekettet sein? Das gibt es die Fütterer. Wer möchte nicht in der Küche von Tristan Brandt sein und mit den genialen Gerichten gefüttert werden? Und dann die Haptiker, diejenigen, die alles anfassen müssen, so wie die Stühle im Opus V, auf denen wunderbar zu sitzen ist und gleichzeitig so angenehm sind, dass man sie andauernd streicheln will. Und da gibt es die Einschmeichler, die versuchen zu einer Premiere eines der spektakulärsten Restaurants sich hineinzuschmuggeln – was ich übrigens verstehen könnte. Aber was hat das denn mit Sex zu tun? Weiß ich doch nicht wäre meine Antwort. Beides kann schön sein. Und wenn ich mal Tucholsky zu Rate ziehen dürfte: Schade, dass man Wein nicht streicheln kann. Was höre und lese ich daraus?

Und wenn es jetzt endlich etwas zu essen geben würde, das wäre doch klasse, aber zuerst nochmals die wunderbare Einladung! Schön OldSchool!

Einladung Opus V

Und es gab auch viel Gutes und schon mal so viel vorab. Es war ein klasse Abend in einem wunderschönen Restaurant, die Ausstattung – das Geschirr, die Gläser, das Besteck, so mit Liebe ausgesucht, einfach so, dass ich gerne einige der Stücke mitgenommen hätte – was ich natürlich nicht gemacht habe. Wir starten mit, stopp! Erst mal die Karten.

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Krabbenbrot / Zitronengras / Avocado
Krabbenchips, Zitronengrasgelee, marinierte Krabben, Avocadocreme, Kimizu – Japanische Mayonnaise), Kresse.

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Kurze Rippe vom Rind / Sesam / Miso
2 gebratene Stück Rippe, Sesamcreme schwarz/weiß, Misoespuma, Misocreme, gerösteter Sesam (s/w), japanische Kartoffeln – Crosne du japon.
Ein bissel Klugscheisserich: Japanische Kartoffeln gehören zur Art des Knollen-Ziest und haben Ihren Ursprung in China. Später wurden sie in der französischen Kleinstadt Crosne angebaut.

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Taschenkrebs / Weisse Bete / Rosa Grapefruit
Taschenkrebstatar, -krokette mit Kataiffi, Grapefruitgel, -segmente, roh marinierte weiße Bete, Vinaigrette.

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Kürbisstruktur / Purple Curry / Wildkräuter
Kürbis geschmort, -püree, -kerne, -öl, -sud, -spaghetti, -stroh, -kernpaste, Wildkräuter, Purple Curry
Kürbiswürfel – süß/sauer, Joghurtschaum, Kürbiseis, -chips, -kerne, Curryöl

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Und ein kleines Schmankerl dazwischen: Maronensuppe mit weissen Trüffeln.

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Hey Fresser: Warum sagst du nichts? Hat es nicht geschmeckt? Warum sprichst du nicht mit dem Publikum? Was issen los?

Nix: Ich genieße und wenn ich mir die Bilder anschaue, werden wieder diese wohligen Gefühle wach. Der saft gegarte Taschenkrebs, die Krokette und Grapefruit. Harmonisch mit kleinen Kanten, die ich liebe. Essen muss aufrütteln, nicht alles so stromlininienförmig sein. Süß steht neben sauer, auch leichte Bittertöne passen dazu. Das Anrichten, ganz leicht oldschool, etwas retro, mit dem etwas groben blauen Teller zusammen allerdings in die Neuzeit projeziert. Klasse!

Und dann die Maronensuppe. Wieder hat mich ein Koch erhört. Eine Schale mit Deckel. So muss es sein! Eingefange der weiße Trüffel, entlassen in die freie Natur, wenn ich es will. Genaus dann wenn ich mein in einem Abstand von 10 cm davorsitze. Ich will alles und das direkt. Danke Tristan.

Jakobsmuschel / Süßkartoffel / Ponzu
Gebratene Jakobsmuschel, Süßkartoffelpüree, -röllchen, Baby Pak choi.

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Black Cod / Petersilie / Aioli
Black Cod bei 45°C im Wasserbad pochiert, weiße Petersilienwurzelcreme, schwarze Aioli mit schwarzem Knoblauch

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Taube Brust & Keule Brokkoli / Matsubadaki / Buchenpilze
Taubenbrust, -keule, Brokkolicreme, -gebraten, Matsubadaki / Alge mit Soja, Buchenpilze, Taubenjus mit Konbu aromatisiert, Shisokresse

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Mascarpone / Kaffee / Kakao
Mascarponecreme, Kaffeegranité, Schokoladenespume, Bisquit, Hippe.

Und jetzt kommt der Patissier ins Spiel und der war mal richtig klasse. Die Mascarponecrème, so fluffig, so intensiv, natürlich in einem wunderschönen Glas angerichtet. Gebt mir mehr, schickt mir jeden Tag um 13.30 so etwas vorbei. Ein einfaches Gericht kann so betörend sein.

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Sauerkirsche / Quinoa / Joghurt
Sauerkirschessiggel, -sorbet, Schokoladensand, Sauerkirsch-Schokoladencreme, gepoppter Quinoa, Joghurt, Rote Bete, Joghurtsteine, Sauerkirschsteine

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Petit four:
Karotten-Sanddornmarshmallow, Quittengelee, Currymaccaron mit Anannas&Kokos, Valrhona Schokoladensteine

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Und das Resumée? Ein wirklich klasse Menue mit den dazugehörigen Weinen und Säften. Der Service, leger und so zuvorkommend. Hier freue ich mich schon riesig auf das nächste Mal.

Geniessen durfte es Harald. Geschrieben hat er´s auch.

Informationen zu diesem Besuch

Restaurant:

Opus V | Engelhorn – Mode im Quadrat

Chef:

Tristan Brandt

Ort: Mannheim
Anmerkung: Eine grandiose Eröffnung. Wunderbares Essen, klasse Service.

Legende - Wie war's?

so lala

okay

gut

Exzellent

Unbeschreiblich

Für Service und Ambiente

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  1. Pingback: Restaurants testen von leidenschaftlichen Essern | der-fresser.de

    • Am Samstag war ich weider da, es war super … Danke für deinen Kommentar.

  2. Also ich war bei der Eröffnung und im Dezember haben wir unsere Weihnachtsfeier dort genossen. Es war ein absoluter Traum. Sowohl vom Ambiente, Personal, aber vor allem vom köstlichen Essen waren wir alle mehr als begeistert. Absolut empfehlenswert. Ich vergebe 5 Punkte – es war einfach UNBESCHREIBLICH!!!

    • Haben wir uns bei der Eröffnung vielleicht gesehen? Am Samstag war ich zu einem Wiederbesuch da. Ganz grosse Klasse!

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