Wie läuft es eigentlich bei David Kikillus?

Diese Frage haben wir uns auch gestellt und sind der Sache auf den Grund gegangen. Schließlich hat die Küche bei ihrer Einladung zu ihrem Pre-Opening vor einem guten halben Jahr bereits erste Ausrufezeichen in der Stadt des Ruhrgebiets gesetzt. Es stellen sich also die Fragen: Wie hat sich das noch junge Restaurant bisher entwickelt? Konnte die Küche sich verbessern? Sind die Gerichte – in unseren Augen – immer noch auf Sterneniveau? Und last but not least, wie zum Teufel kommen wir überhaupt aus Köln raus? Über die Verkehrssituation an diesem Freitagabend lässt sich nämlich kein jugendfreies Wort verlieren.

Aber dennoch erreichen wir nach einer gefühlten Ewigkeit – es waren immerhin zweieinhalb Stunden von Köln bis nach Dortmund – doch noch das kikillus Restaurant. Jetzt kann der entspannte Teil des Abends beginnen.

Die Philosophie des Besitzers und Küchenchefs David Kikillus basiert auf dem, wie man so schön sagt, casual fine dining (hier fun dine genannte), kombiniert mit einem modernen Küchenstil. Also genießen von leckeren, hochwertigen und kreativen Gerichten in entspannter Atmosphäre. Sollte doch eigentlich der Standard sein, oder? Stimmt, ist aber leider nicht immer so. Also, Entspannte Atmosphäre? Häkchen dran. Leckere Gerichte? Wir werden sehen.

Die Apéros, welche auch gleichzeitig als Gruß herhalten, lassen sich jedenfalls schon vielversprechend an. Im einzelnen von unten nach oben: Gurken Sushi mit japanischer Mayonnaise und Sojadiamant (gut), Knuspercannelloni vom Hamachi (wirklich ausgezeichnet!), Reischip mit Avocado u Ibérico-Bellotta und Gazpacho (beides sehr gut). Der Hamachi stellt dabei schon ein kleines Ausrufezeichen dar, welches sich mit einigen anderen Elementen auch bestimmt gut als Vorspeise machen würde.

knusper cannelloni vom Hamachi/ gurken sushi mit japanischer may

Aber besser als Zweiten oder Dritten, denn mit Gänsestopfleber | Kürbis | Sanddorn | Pistazie serviert die Küche im ersten Gang bereits ein absolut grandioses Gericht. Wunderbares Spiel zwischen der aromatischen, fettigen Leber, der süße vom Kürbis, der Säure vom Sanddorn und dem Crunch durch die Pistazienbrösel. Dazu noch das Spiel mit den Texturen und auch Temperaturen – wunderbar. Zugegeben, die Begeisterungstürme sind zum Teil auf meinen momentanen Faible für das leider relativ selten ethisch vertretbare Produkt zurückzuführen, aber dennoch – auch objektiv gesehen – eine deutliche Verbesserung zum Stopflebergericht, das vor einem halben Jahr auf den Teller gezaubert wurde und damit ein Indiz dafür, dass die Küche keineswegs stillsteht.

Gänsestopfleber Kürbis | Sanddorn | Pistazie

 

Aber auch den folgenden Gang würde ich nicht mit dem Hamachi tauschen wollen. US Beef “kalt – warm” | Kopfsalat | Estragon | Steinpilze |krosses Eigelb bildet eine wahrhafte Hommage an die von dem Japaner Ikeda Kikunae beschriebene fünfte Geschmacksrichtung. Kein Wunder, bei rohem Rindfleisch nebst krossem, im Inneren aber hoch viskosem Eigelb und gebratenen Pilzen. Die als Nebendarsteller servierte kräftige Rinderbrühe mit Ochsenschwanzravioli gibt der Zunge dann den Rest und bringt gleichzeitig wieder den altbekannten kalt-warm Wechsel mit ins Spiel. Der mit einer beeindruckenden Konsistenz – zwischen Gel und Schaum – auftrumpfende Kopfsalatschaum und die marinierten Senfkörner sorgen noch für einen erfrischenden Säurekick und nochmaliger Erweiterungen des Konsistenzen-Spektrums. Der Vollständigkeit halber sei noch das weiße Pulver auf dem Teller erwähnt (Malto?), welches absolut geschmacksfrei und somit ähnlich unnötig ist, wie das leider noch ab und an verwendete Blattgold respektive -silber. Aber unterm Strich: hervorragendes Gericht mit qualitativ herausstechendem Rindfleisch!

US Beef “kalt – warm” Kopfsalat | Estragon | Shiitakepilze
US Beef “kalt – warm” Kopfsalat | Estragon | Shiitakepilze

Als Intermezzo kommt danach ein (Brombeer-?) Sorbet an den Tisch. Präsentation und Handwerk: 1A. Geschmack: säuerlich, fruchtig, erfrischend, lecker. Stelle im Menü: drei große Fragezeichen! Egal, die Küche wird sich schon was dabei gedacht haben, geschmacklich auf jeden Fall top.

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Weiter geht’s mit einer weiteren kleinen Aufmerksamkeit der Küche. Und die ist mit Jakobsmuschel | Steinpilze | Blumenkohl durchaus gelungen. Qualitativ hochwertiges Muschelfleisch treffen auf süßliches Blumenkohlpüree, gebratene Steinpilze und eine kräftig reduzierte Jus. Dass die Küche ihr Handwerk versteht und damit alles einwandfrei umgesetzt ist, sollte sich bis hierhin schon herauskristallisiert haben. Vor allem gefällt uns allerdings an der Kreation ihre Schlichtheit, die den feinen Geschmack des leicht gebratenen Protagonisten voll zur Geltung kommen lässt.

Jakobsmuschel | Steinpilze | Blumenkohl

Langostine | Salzpflaume | Miso | Süßkartoffel | Curryknusper bildet dann wieder ein reguläres Gericht aus dem Menü ab. Dabei ähnelt dieser Meeresfrüchtegang in vielen Aspekten dem ersten. Auch hier ist das Krustentierchen wunderbar gegart und das Süßkartoffelpüree gibt eine – wie der Name schon sagt – süßliche Note. Der Unterschied besteht in den fruchtig-salzigen und würzigen Geschmackskomponenten der eingelegten Pflaumen und des Currys. Um es Abzukürzen: auch ein leckerer Teller, den die Küche leer wieder zurückbekommt.

Langostine Salzpflaume | Miso | Süßkartoffel | Curryknusper

Als Antwort kommt von dieser ein – zum Glück – voller Teller zurück. Als Hauptgang wird dabei Étouffée Taube | Broccoli | Boudin Noir | Schwarzer Trüffel aufgefahren. Hier zeigt sich wieder die Konzentration der Küche auf das Wesentliche – also die Taube. Diese ist handwerklich – wie alles – einwandfrei umgesetzt und demzufolge ist Geschmack, Saftigkeit und Zartheit wunderbar. Die französische Blutwurst passt sich den kräftigen Aromen der Taube dabei perfekt an, wobei der Broccoli ein bisschen untergeht. Tut dem Gesamterlebnis aber keinen Abbruch. Was wir ähnlich unnötig empfinden, wie Blattgold oder das weiße Pulver bei dem Rind, ist allerdings auf diesem Teller die (Sommer-)Trüffelstäbchen. Wieder mal eine subjektive Meinung: es gibt für alles eine Saison. Für Erdbeeren, Spargel, Kirschen, Artischocken und vieles mehr – eben auch für Trüffel. Also nutzt sie wenn die Saison ist und die Qualität stimmt und lasst die nach nichts schmeckenden Exemplare links liegen.

Étouffée Taube Broccoli | Boudin Noir | Schwarzer Trüffel

Es folgt Apfel | Mandel | Joghurt| Honig als erstes von insgesamt zwei Desserts – und direkt wieder ein erstes Ausrufezeichen in dieser Küchenrichtung. Beim letzten Besuch wusste die Küche bereits mit ihrem dekonstruierten Apfelkuchen restlos zu begeistern und auch hier zeigt sie wieder, dass sich mit klassischen Kombinationen – beim Lesen erinnerte es mich ein bisschen an ein Müsli ohne Cerealien – wunderbare Süßspeisen hinzaubern lassen. Klar, sind ja auch nicht umsonst klassische Kombinationen, ne? Jedenfalls sieht das Gemenge auf dem Teller nicht nur wunderbar aus, sondern schmeckt auch so. Löffel rein, alles drauf und in den Mund. Einfach göttlich!

Apfel Mandel | Joghurt| Honig

Im zweiten – und leider schon letzten – Anlauf zeigen die Jungs dann noch, dass sie auch mit weniger gewöhnlichen Kombinationen auftrumpfen können. Gewürzbanane | Ananas | Petersilie | Curry assoziiert der gemeine Gast jedenfalls nicht unbedingt mit einem Dessert – zumindest wenn es nicht ganz unten auf der Menükarte stehen würde. Auf alle Fälle: der Hammer! Die leicht in Curry gebratene Banane, das China-Eis unter anderem mit Koriander und Curry – einmaliger, unbeschreiblicher Geschmack – die Säure der Ananas und die anderen Komponenten ergeben einfach einen wunderbaren würzigen und kreativen Abschluss. Wie beim letzten Mal halten wir fest: die Desserts dürfen gerne wieder serviert werden – und das ist umso beeindruckender, da David Kikillus und sein Sous Chef die Desserts in gemeinsamer Arbeit entwerfen, ohne Patissier. Habt ihr eigentlich schon mal an ein reines Dessert-Menü gedacht? Das Zeug dazu hättet ihr auf jeden Fall.

Gewürzbanane Ananas | Petersilie | Curry

Denn auch die Kleinigkeiten zum Espresso sind nicht von der Hand zu weisen. Von links nach rechts haben wir da Rosmarin Trüffel / Bananen Bonbon / Aprikosengummi / Kokos-Vanille Marshmallow. Auch hier hat sich der Marshmallow im Vergleich zum letzten Mal deutlich zum Besseren gewandelt.

kokos vanille marshmallow / bananen bonbon / aprikosen gummi / r

Es lässt sich auch nach einem zweiten Besuch also kein anderes Fazit ziehen, als dass David Kikillus und sein recht kleines Küchenteam auf konstant hohem Niveau agieren. Die verwendeten Produkte sind von guter Qualität, die handwerkliche Umsetzung einwandfrei und die Kombinationen teilweise überraschend und spannend, aber immer passend und einfach lecker – und darauf kommt es am Ende doch an, oder?

Das Serviceteam hantiert dabei immer freundlich und aufmerksam, auch wenn man feststellen muss, dass manche Abläufe noch nicht so eingespielt scheinen. Allerdings wird das teilweise durch Charme und Witz wieder kompensiert und der Rest wird sich sicher auch noch ergeben. Davon sind wir überzeugt!

Also, auch wenn, während wir diese Zeilen schreiben, der große Rote gerade verkündet wo in Deutschland neue, beziehungsweise hellere Lichter erstrahlen und das kikillus Restaurant noch nicht unter die gesegneten fällt, sind wir uns sicher, dass das nur eine Frage der Zeit sein kann – respektive darf. Wir danken jedenfalls nochmal David Kikillus sowie dem gesamten Küchen- und Serviceteam für den schönen Abend und freuen uns auch schon auf den nächsten Besuch!

Informationen zu diesem Besuch

Restaurant:

kikillus Restaurant | http://www.kikillus-restaurant.de/Fun-Dine

Chef:

David Kikillus

Ort: Dortmund
Anmerkung:

Legende - Wie war's?

so lala

okay

gut

Exzellent

Unbeschreiblich

Für Service und Ambiente

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